16. Oktober 2016 ››› Abgelegt unter Brit-Stuff

Der Dackel ist wieder fidel

Für alle, die hier auf die Fortsetzung des Dramas um Ursus warten – der Dackel ist wieder gesund und munter! Und nicht nur das: Nach Hämmern und Wemsen gegen den Käfig hat sich der Dickkopf ergeben. Viel lieber als im Käfig im Schlafzimmer schlief er auf dem Sofa im Wohnzimmer. Nachdem ich das das Okay vom Tierarzt bekam, durfte Ursus das auch. Er hat sich jetzt so daran gewöhnt, dass er gar nicht mehr fiept, wenn wir zu Bett gehen. Er schlummert nun dort. Ich darf jetzt durchschlafen! Kein Getrampel, kein Gefiepe. Halleluja, die schlimmen Wochen haben also doch was Gutes gebracht!ursus

10. Oktober 2016 ››› Abgelegt unter Other Stuff

Sich ins schottische 18. Jahrhundert weghören: Outlander

In Zeiten wie diesen, in denen ich ein wenig den Glauben an meine Wahlheimat verliere, neige ich zum Eskapismus. Wer tut das nicht? Und da ich hier ja gerne den Menschen etwas mitgeben möchte, was mich erfreut, lass ich euch an meiner neuesten Sucht teilhaben: Outlander.

Die Romane von Diana Gabaldon hab ich schon vor Jahren gelesen und dann wieder vergessen, aber seit über einem Jahr gibt es die Serie mit Caitriona Balfe und Sam Heughan, die richtig gut ist und so hab ich mich wieder mental in die schottischen Highlands begeben.

Allerdings mittels Hörbucher: Davina Porter erzählt so schön und sie hat die schottischen Akzente so gut drauf. Es geht hier um Claire, die 1945 mit ihrem Mann Frank Randall in die Highlands fährt, um sich wieder näher zu kommen. Der Krieg hatte sie getrennt, Claire kümmerte sich in Frankreich um verletzte Soldaten, während ihr Mann bei der Abwehr arbeitete. Das Paar heiratete kurz vor Ausbruch des Krieges und muss sich erst wieder aneinander gewöhnen, aber diese Chance bekommen sie nicht, denn Claire fällt bei einem Ausflug, der sie allein zu einem mysteriösen Steinkreis führte, in die Vergangenheit. Sie landet im Jahr 1743, drei Jahre vor der alles entscheidenden Schlacht in Cullodon zwischen Schotten und Engländern.

“Outlander” ist eine reine Frauenphantasie, denn jetzt taucht hier der aufrechte Highlander Jamie Fraser auf, der sich in Claire verliebt. Er beschützt sie, ist toll im Bett, hat Humor, ist vielsprachig. Ach, ach. Ja, das könnte alles schön in die Lore-Romane-Richtung abdriften und manchmal tut es das auch, aber man lernt viel über schottische Geschichte und später über den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Und – das ist sehr wichtig – Claire ist kein Mövchen, sie ist eine starke Persönlichkeit, die sich durch schlimme Zeiten durchkämpfen muss, ihren Mann genauso oft rettet wie umgekehrt. Also doch nicht Lore-Roman. Aber dick sind die acht Bücher der Outlander-Reihe, manche umfassen fast 1000 Seiten. Die ich auch lese, aber wie schon erwähnt lasse ich sie mir lieber von Davina Porter vorlesen, denn dann kann man noch etwas anderes nebenbei machen.

Für alle, die nicht sofort die Hörbücher kaufen wollen und mal reinhören wollen:
YouTube löscht immer mal wieder die Hörbücher, aber sie kämpfen da vergeblich, denn sie poppen immer wieder auf. Also für alle, die mal reinhören wollen, hier der aktuelle Link, der sicherlich bald wieder gelöscht wird:

25. September 2016 ››› Abgelegt unter Other Stuff

Ein Alptraum wird wahr: Der Dackel im Käfig

Der Dackel-Fluch hat uns also eingeholt: Ursus hat Rückenprobleme. Es hat also nichts genutzt, dass wir ihn schlank gehalten und eine Dackeltreppe in unser Wohnzimmer vor die Couch gestellt haben. Denn er ist ein sturer Dackel und hüpft gerne. Und nun hat er die Quittung bekommen – Schmerz im Nacken. Seine Schreie gingen durch Mark und Bein.


Ein Hoch auf die Statistiken

Also ab zum Tierarzt. Den er so gar nicht mag. Dabei ist dieser ein Netter – nur findet er nicht immer die richtigen Worte. Man sollte einer aufgelösten Hundebesitzerin wahrscheinlich nicht sagen, dass man vor Kurzem einen Dackel bei einer OP verloren hat. Einer OP, die Ursus droht, wenn er nicht für vier Wochen ruhig gestellt wird. So etwas will man nicht hören. Eher die Statistiken, die Freund P. aus seinem Handy zauberte: 78 Prozent aller Dackel mit Verdacht auf beginnender Dackellähme werden wieder gesund.

Die Nerven liegen blank

Positives Denken ist jetzt angesagt. Es sollte allerdings nicht überraschen, dass Ursus, dessen Lieblingsplätze sich auf dem Schoß und unter der Bettdecke befinden, einen Käfig als neues Zuhause nicht ohne Murren akzeptiert. Vier Tage und drei Nächte sind vergangen und die Nerven liegen ein wenig blank. Eine Decke hat er schon zerfetzt und es war natürlich die teure Decke, die ich in geistiger Umnachtung auf den Käfig zur Abdeckung gelegt habe, weil ich dachte, die Gerüche würden beruhigen. PAH! Und so wird nun die ein oder andere Schlafpille in den Käse gesteckt. Nicht zuviel – von den zwei Tabletten, die wir dürften, nutzen wir drei Viertel. Und der Whiffler bekommt seine Gurken und Kongs voller Käse, um ihn bei Laune zu halten.

Tabak und Cadbury

Alle Eltern zucken jetzt mitleidlos mit den Achseln und sie haben auch ihr gutes Recht. Aber ich habe keine Ahnung, wie wir den Rest der vier Wochen mit knapp vier Stunden Schlaf pro Nacht überstehen werden. Mr. D wird wahrscheinlich noch mehr rauchen und ich passe am Ende nicht mehr durch die Tür, da Mr. Cadbury momentan mein bester Freund ist. Andererseits kann man es wohl als gutes Zeichen werten, dass Ursus immer munterer wird. Er lahmt zum Glück nicht, bei ersten Anzeichen muss sofort operiert werden! Er darf bloß nicht viel laufen. Und so trage ich ihn mittags rüber zum Heath, denn dann will er seine Geschäfte nicht im Garten verrichten. Morgens und abends geht klar, aber mittags will er ein wenig Abwechslung.

Überlebensstrategien

Und ich brauche sie auch, denn natürlich bin ich ja auch für die nächste Zeit ans Haus gefesselt und ich hab alle meine Lieblingshörbücher schon durch. Zum Glück reagiert Ursus darauf, sein Fiepen wird weniger, wenn Herr Glenister den Cormoran Strike gibt und Davina Porter “Outlander” liest. Wir werden wohl noch andere Überlebensstrategien entwickeln müssen. Wünscht uns Glück!

Wenn nur eine Gurke hilft

Wenn nur eine Gurke hilft

16. September 2016 ››› Abgelegt unter Brit-Stuff

Überraschend gut: “Bridget Jones’s Baby”

Der erste war wunderbar, der zweite grauenhaft, deshalb tanzte ich nicht gerade vor Glück auf den Tischen, als es hieß, dass es einen dritten Bridget-Jones-Film gibt. Aber irgendwie kriegt sie mich doch immer, Frau Fielding und ihre großartige Kreation Bridget Jones. Und dann lockt natürlich auch Colin Firth als Mr. Darcy.

Herr Firth macht “Bridget Jones’s Baby” auch so sehenswert, denn er darf hier wieder seine Trumpfkarte ausspielen: Niemand gibt einen Mann mit unterdrückten Gefühlen so gut wie Mr. Firth! Ich will hier nicht zuviel verraten, aber nach Sicht des Trailers dürfte wohl klar sein, dass Bridget mit zwei One-Night-Stands und alten Kondomen mal wieder für Chaos gesorgt hat. Sie weiß nicht, ob ihr alter Lover Mark der Vater ihres ungeborenen Kindes ist oder der amerikanische Milliardär Jack.

Kein Hugh Grant

Besagter Jack wird hier von “McDreamy” Patrick Dempsey gespielt und er tut nicht weh – das ist alles, was man sagen kann. Er ist halt kein Hugh Grant. Aber es ist auch klar, dass eine dritte Auflage Mark Darcy – Daniel Cleaver eher ermüdend gewesen wäre. Außerdem wird es sicherlich Frauen geben, die Herrn Dempsey bevorzugen – ich gehöre nicht dazu.

Greenwich Park!

Ja, es sind ein paar altbackende Witze in dem Film, aber er funktioniert trotzdem, denn es ist alles auf sehr britische Art schön albern. Und Greenwich ist auch zu sehen! (Das kam bei der Vorstellung im Greenwich Picturehouse besonders gut an!) Als bekannt wurde, dass sie im Park drehen, habe ich kurzfristig mit der Idee gespielt, den Dackel unauffällig in die Richtung zu zerren – auch wenn wir dort eigentlich nie hingehen, denn da wimmelt es nur so von Touristen. Hab es dann gelassen. Trotzdem: Immer schön, wenn man sein Zuhause auf der Leinwand sieht.

Wie bei Star Wars

Aber ich schweife ab: Warum “Bridget Jones’s Baby” so nett ist, liegt auch daran, dass sich Emma Thompson die besten Sprüche als Dr. Rawlings ins Drehbuch geschrieben hat. Sie durfte ein bisschen daran herumwerkeln, was der Komödie gut getan hat, denn jedes Mal, wenn sie auftritt, läuft es. Wie – darf ich das wirklich vergleichen? – bei “Star Wars: Das Erwachsen der Macht” stimmt die Mischung bei der Wiederbelebung: Man sieht genügend vertraute Gesichter und Slapsticksituationen, aber auch Neuzugänge wie besagte Dr. Rawlings oder Sarah Solemani als Bridgets neue beste Freundin schließt man gleich ins Herz.

Trotz Botox-Gesicht: Frau Zellweger überzeugt!

Bislang hab ich Renée Zellweger noch gar nicht erwähnt, dabei ist sie die Hauptperson. Ich bin wahrscheinlich durch die Hirnwäsche der Medien gegangen, denn ich musste mich erst an ihr Gesicht gewöhnen. Besonders wenn man es mit den unverbotoxten britischen Gesichtern vergleicht. Aber das gibt sich dann auch wieder, denn Frau Zellweger beherrscht Slapstick wie tragische Momente und sorgt so, dass man sie schnell wieder nur als Bridget sieht und all den hysterischen Mediakram vergisst.

Colin Firth als brodelnder Gentleman, Emma Thompson als zynische Gynäkologin und Renée Zellweger als Hohepriesterin vom Planeten Chaos verzücken so sehr, dass ich echt überlege, mir ‘Bridget Jones’s Baby’ noch einmal anzuschauen. In politischen Zeiten wie diesen ist man doch für jede nette Abwechslung dankbar.

10. September 2016 ››› Abgelegt unter Brit-Stuff

Tom Burke als Cormoran Strike

Frau Rowling hat mit ihren Büchern immer wieder dafür gesorgt, dass es mir besser geht. Ich liebe ihre Harry-Potter-Bücher genauso wie ihre unter dem Pseudoynm Robert Galbraith geschriebenen Krimis. Letztere werden nun verfilmt. Natürlich werden sie das! Pack J.K.Rowling drauf und es wird ein Mega-Hit. Die BBC wird die Krimis um den Detektiv Cormoron Strike verfilmen und sie haben jetzt auch den Hauptdarsteller gefunden. Mit dem ich leben kann. Auch wenn er weniger hässlich als im Buch beschrieben ist. Die Produzenten wollten keinen übergewichtigen Riesen mit Krissellocken auf der Matschscheibe präsentieren, also schnappten sie sich Tom Burke.

Und der hat schon was, hatte schon was in ‘Third Star’, einem wunderbaren Film vor der ganzen Cumberbatch-Mania über einen unheilbar kranken Mann, der noch mal mit seinen Kumpels die walisische Küste sehen möchte. Ich habe im Gefühl, dass Tom Burke ähnliches Guckschatz-Potential hat wie Herr Cumberbatch. Auf alle Fälle bin ich gespannt, wie er sich als Cormoran Strike machen wird. Man muss aber noch ne Ecke warten – erst Ende 2017 wird die Serie ausgestrahlt.

09. Februar 2016 ››› Abgelegt unter Brit-Stuff

Wie die Fliegen…

Irgendwie sterben einem die Leute weg. Ich bin jetzt in einem zarten Alter, das die Briten so schön “middle aged” nennen und da passiert es jetzt immer öfter, dass Wegbegleiter das Zeitliche segnen. Und momentan sind es eher die geistigen Wegbegleiter wie David Bowie, Alan Rickman und nun Roger Willemsen.

Vorher waren es die “Onkel”, denn ich bin in einem stramm sozialdemokratischen Haushalt aufgewachsen und habe in meiner Kindheit Leute wie Egon Bahr, Helmut Schmidt, Herbert Wehner oder Willy Brandt immer eher als entfernte Verwandtschaft angesehen, denn es wurde ständig über sie gesprochen. Als nun im vergangenen Jahr mit Egon Bahr und Helmut Schmidt die Letzten dieser Ära starben, hatte ich deshalb tatsächlich das Gefühl, als ob entfernte Verwandte zu Grabe getragen werden.

Ich war auch nie ein großer Fan von David Bowie, aber ich war schon überrascht, wie sehr mich sein Tod traf und was für ein großer Trost es war, an dem Tag BB6 Music Radio zu hören und gemeinsam um einen Menschen zu trauern, der einem nie begegnet war, aber trotzdem zur eigenen Welt gehörte – meine Schwester musste sich damals entscheiden, ob sie lieber zum Bowie-Konzert geht oder ihre kleine Schwester zum Crosby, Stills & Nash Open Air Konzert begleitet. Als tolle Schwester, die sie ist, hat sie sich für Letzteres entschieden, aber ich hab jetzt doch ein schlechtes Gewissen, ob ich sie nicht beraubt habe.

Alan Rickman hab ich selbst mal kennengelernt und war ihm – wie so viele – gleich verfallen, denn er war – neben seiner unvergleichlichen Stimme – so ein netter, höflicher und gescheiter Mann, der sich meine augenscheinliche Begeisterung im Interview gern gefallen ließ. Er hat Filme mit seiner Präsenz immer besser gemacht – ich hab ihn zum ersten Mal in “Truly Madly Deeply” gesehen, dem Debütfilm von Anthony Minghella – auch so einer, der viel zu früh diese Erde verließ. Rickman war in der Tragikomödie entzückend, einfach entzückend und so anders als in seiner nächsten Rolle, dem charismatischen Fiesling Hans Gruber in “Stirb langsam”. Fortan hab ich brav alle Filme mit ihm mit angeschaut und war mir auch sicher, dass er als Severus Snape in den Potter-Filmen noch etwas in der Hinterhand haben müsste – er würde doch nie nur einfach einen Bösewicht spielen!

Jetzt ist er also auch schon tot und da ist es wiederum gut, in London zu leben, denn die Trauer um ihn lebt hier ein bisschen länger. Das sieht bei Roger Willemsen anders aus – auch ihn habe ich kennenlernen und mich von seinem außerordentlichen Charme überzeugen dürfen. Seit ich in London lebe, habe ich nicht mehr so viel von ihm mitbekommen, wusste nichts von seiner Krebserkrankung und deshalb kam es auch wie ein ziemlicher Donnerschlag, dass er tot ist. Eine kollektive Trauer konnte auch nur im Netz stattfinden, denn meine Londoner Bezugsgruppe kennt ihn ja gar nicht, Mr. D. musste sich trotzdem ein YouTube-Video anschauen und als guter Gatte weiß er, was er in diesen Momenten zu sagen hat. Aber trotzdem habe ich das Bedürfnis gemeinsam zu trauern und deshalb poste ich hier auch diese großartige Inszenierung seines letzten Buches:

02. Januar 2016 ››› Abgelegt unter Brit-Stuff, Other Stuff

So etwas wie ein Best of 2015

Einer meiner Neujahrsvorsätze lautet, wieder mehr für diesen Blog zu schreiben, das verkümmerte Ding, Dabei sieht er so hübsch aus. Mal sehen, ob ich das hinbekomme. Eigentlich wollte ich auch eine Best-of-Liste machen, weil man das ja so macht, mit besten Songs, besten Filmen, all das Gedöns, weil ich es im vergangenen Jahr kaum gemacht habe. Dabei gab es tolle Filme wie “Force Majeure“, “Amy“, “Spectre“, “Carol“, die allen großen Eindruck auf mich gemacht haben – und über die ich nicht geschrieben habe. Harumph.

Größte Überraschung: Ich fand “Mad Max: Fury Road” total klasse. Wenn mich mein Patenkind da nicht reingezerrt hätte, wäre ich gar nicht reingegangen, aber Himmel! Es gibt Filme, die schütteln dich wegen des Themas und der schauspielerischen Kraft durch, als ich “Still Alice” geschaut habe, dachte ich wochenlang, auch bei mir würde es erste Anzeichen von frühen Alzheimer geben. Das ist bei dem “Mad Max”. Film nicht so, da wird man so durchgewrungen, weil es keine Minute zum Verschnaufen gibt und eine fiesere Gestalt als die nächste auftaucht. Und alles rast durch diese Wüste. Zu einem hämmernden Soundtrack. Ich kam richtig ausgewrungen aus Kino und habe es geliebt. Es ist nicht so, dass ich mir den Film immer und immer wieder anschauen würde, wie ich es mit “Carol” oder “Spectre” machen würde, aber ich bin trotzdem sehr dankbar für den Adrenalinstoß, den er mit gab.

Nicht so adrenalinstößig, aber trotzdem sehr beeindruckend führte das Jahr 2015 zu Sufjan Stevens. Er hat bei “Carrie & Lowell” den Tod seiner Mutter verarbeitet. Der Mann hat so eine sanfte Stimme und kommt musikalisch so verspielt her und dann hört man “You checked your texts while I masturbated” und piekst sich in die Ohren, ob man das gerade richtig gehört hat. Ähnliches passiert auch bei Father John Misty, der alle möglichen Gemeinheiten orchestral verpackt, dass man sie – zumindest als Nicht-Muttersprachlerin – überhört. So etwas finde ich jetzt toll – schöne Stimmen, verspielte Melodien und dann voll auf die Zwölf mit den Texten. Dieses Jahr habe ich auch Sleater-Kinney entdeckt, das ist nun das genaue Gegenteil von verschmuster Mucke. Die Damen hauen schön mit wunderbaren Indie-Gitarren und schneidender Stimme die Verletzlichkeit raus, bestes Beispiel “Bury Your Friends”.

Carrie Brownstein singt bei Sleater-Kinney und sie ist es auch, die in einer meiner Lieblingsserien des Jahres mitspielt: “Portlandia“, eine Serie, die sich in Sketchen über die alternative Szene von Portland lustig macht. Wenn man in einer Uni-Stadt wie Marburg studiert hat, kommen einen diese Nasen doch sehr bekannt vor. Diese auf den ersten Blick so alternativ und dann doch so spießig und verkorksten Figuren, die Carrie Brownstein und Fred Armisen hier geben, sind zum Fremdschämen hervorragend geeignet.

Fremdschämen gilt auch für ‘VEEP‘, dem amerikanischen Ableger von ‘The Thick of It” hier spielt Julia Louis-Dreyfus eine inkompentente Vizepräsidentin mit noch inkompetenteren Beratern, also das genaue Gegenteil von “West Wing” meiner absoluten Lieblingsserie, von denen ich einige Folgen schon mitsprechen kann, so oft hab ich sie gesehen. Aber ‘VEEP’ ist einfach großartig, weil er genauso wie ‘West Wing’ einen Einblick hinter die Kulissen der Politik liefert, denn man hat schon das ungute Gefühl, dass es genauso sein könnte. Ansonsten sind Mr. D. und ich weiterhin süchtig nach “The Great British Bake Off” und “Masterchef” – wir zittern mit, ob ein Soufflé aufgeht oder nicht, ob die Backkreationen ambitioniert genug sind, all diese Dinge, bei denen ich vor zehn Jahren noch verächtlich mit der Schulter gezuckt hätte, aber da war ich noch nicht a middle aged woman. Also genau die richtige Zielgruppe für “Wolf Hall” mit dem unfassbar talentiert Mark Rylance als am Hof von Heinrich VIII taktierenden Oliver Cromwell. Rylance will ich auch irgendwann mal auf der Bühne sehen.

Bei Herrn Cumberbatch hat es ja geklappt. Ich hab jetzt diverse Hamlet-Inszenierungen gesehen und ich muss leider sagen, dass diese nicht die beste war. Man hatte schon das Gefühl, dass alles auf Benedict Cumberbatch gerichtet war, ich habe bessere Poloniuse und auch bessere Ophelias gesehen, aber bei den Hamlets ist er schon ganz vorn dabei. Er hatte die nötige Arroganz und Verletzlichkeit. Leicht durchgeknallt wirkte er auch. Wie es sich für einen tragischen Helden gehört. Ich war jedenfalls nicht enttäuscht und hoffe, dass ich noch öfters die Gelegenheit habe, ihn auf der Bühne zu erleben.

Als Trost kann ich mir ja “Sherlock: The Abominable Bride” anschauen. In Deutschland wird das noch laufen. Die BBC hat damit das neue Jahr eingeläutet und neun Millionen haben zugeschaut. Einige haben die Handlung nicht geschnallt, was mir wiederum ein Rätsel ist. Ich will nicht zuviel verraten, aber es war ein Fest. Sie waren alle in Bestform und ich fand, dass sich alles wunderbar eingefügt hat. Gruselig war es auch, ist ja sonst nix für mich, aber ich habe nicht weggekuckt, was ich sonst immer mache – ich wollte nichts von diesen glorreichen 90 Minuten verpassen – die ihr noch vor euch habt. Beneidenswert.

Hey, jetzt hab ich doch so etwas wie ein Best-of 2016 geschrieben. Kannste mal sehen…

13. September 2015 ››› Abgelegt unter Other Stuff

Königin Beatrix in der Schlange bei M&S

Das lange Schweigen auf Miss Littlelong wird nun endlich unterbrochen, denn ich muss der Welt doch mal mitteilen, dass Königin Beatrix bei Marks & Spencer an der Kasse vor mir stand. Und ja, ich bin mir sicher – diese Haubenfrisur erkennt man überall, außerdem sprach sie englisch mit niederländischem Akzent. Ich hab ja schon so manchen Promi in dieser schönen Stadt gesehen, aber wenn einem so unverhofft eine königliche Hoheit im Kaufhaus über den Weg läuft, sorgt es doch … für was eigentlich? Aufregung? Keine Ahnung, aber ich halte es trotzdem für bemerkenswert.

Nun habe ich kein Smartphone und die Kamera wollte ich nun auch nicht aus dem Rucksack fischen. Die Kassiererinnen hatten übrigens keine Ahnung, wen sie da vor sich hatten. Ich kann auch nicht sagen, was die royale Dame mit ihrer Freundin oder Hofdame gekauft hat, denn das war schon in der Plastiktasche verschwunden. Ihr Bodyguard merkte allerdings sofort, dass ich sein Schutzobjekt erkannt hatte und schickte einen warnenden Blick! Der konnte sich gleich beruhigen, denn ich weiß, was sich gehört: Ich werde doch nicht einer königlichen Hoheit ihren Kaufhausbesuch vermiesen!

25. Februar 2015 ››› Abgelegt unter Brit-Stuff

Trauerspiel: “Broadchurch 2″ überzeugt nicht

Was hab ich nicht allen in den Ohren gelegen, dass sie sich die britische Serie “Broadchurch” mit dem formidablen David Tennant und der noch formidableren Oliva Colman anschauen sollen. Die erste Staffel war große Kunst – sie zeigte, wie eine Gemeinde nach dem Mord an einen Jungen implodiert. Den Figuren wurde viel Raum gegeben, die Dynamik zwischen Tennants Polizisten Hardy und seiner Kollegin Miller fazsinierte, auch das Raten. wer denn nun Danny umgebracht hat, hielt uns in Griff. Millionen Briten haben jede Woche geschaut und waren schwer geschockt, als der Mörder offenbart wurde.

Hanebüchene Mörderjagd

“Broadchurch” war so erfolgreich, dass ITV gar nicht konnte, als eine zweite Staffel in Auftrag zu geben. Was ein schwerer Fehler war. Denn all das, was an der ersten Staffel so gut war, wurde nun über den Haufen geworfen. Dem Mörder von Danny wurde nun der Prozess gemacht und er plädierte auf nicht schuldig, was die Familie von Danny in tiefste Tiefen stürzte, aber leider wirkte vieles  sehr unglaubwürdig, was sich im Prozesssaal abspielte.

Hardy zerrte nebenbei seinen alten Fall wieder hervor, damit man sich mit ihm und Miller wieder auf Mörderjagd begeben konnte. Aber es war alles so hanebüchen, dass man schnell die Lust daran verlor. Das Schlimmste war, dass neue Figuren eingeführt wurden, für die man sich gar nicht interessierte – Charlotte Rampling als Staatsanwältin ließ mich völlig kalt und das will was heißen, denn die Dame verehre ich sehr.

Die zweite Staffel wurde in Foren und von der Fernsehkritik so verrissen, aber irgendwie haben wohl doch Millionen zugeschaut. Ich bin nach der dritten Folge ausgestiegen,  andere wohl nicht und nun gibt es doch tatsächlich eine dritte Staffel! Warum? Seien wir mal nett und setzen auf das Prinzip Hoffnung, Tennant und Colman sind tolle Schauspieler und ich wünsche ihnen ein besseres Drehbuch für diesen dritten Versuch.

17. Februar 2015 ››› Abgelegt unter Brit-Stuff

Düster und faszinierend: “Wolf Hall”

Hilary Mantel nimmt sich in ihren Büchern “Wölfe” und “Falken” des Politikers Thomas Cromwell an. Cromwell stieg Mitte des 16. Jahrhunderts unter Heinrich VIII. zum wichtigsten Mann im Land auf. Er sorgte dafür, dass die katholische Kirche an Macht verlor, Kloster und ihre Besitztümer wurden konfisziert und Menschen verloren ihren Kopf wie Thomas Morus.

Heinrich VIII. war ein faszinierender Mann, wobei man wahrscheinlich eher von der Fasznination des Bösen sprechen konnte. Wehe, wenn man seinem Begehr in die Quere kam! Und da gab es viele, die ihr Leben deshalb lassen mussen, nicht zuletzt Cromwell selbst, der sich am Ende  in dem feingewobenen Spinnennetz an Spionen verfing und hilflos zusehen musste, wie sein König sich wieder den katholischen Riten zuwandte. Das war sein Todesurteil.

Aber noch sind wir nicht soweit. Hilary Mantel hat noch nicht das dritte Buch über das Ende des Politikers geschrieben und so kann man sich jetzt an der Fernsehserie vergnügen, die sich den beiden ersten Büchern widmet. Die BBC hat alles aufgefahren, nicht zuletzt großartige Schauspieler: Mark Rylance, dessen Hohelied man gar nicht genug singen kann, spielt Cromwell mit allen Nuancen, die es gibt. Da muss er gar nichts sagen, da braucht es nur eine Geste, ein Augenzucken und man weiß Bescheid. Auf der anderen Seite findet sich Damian Lewis, der mit Verve den impulsiven Heinrich gibt, mal kindisch, mal schmeichelnd, aber immer hochgefährlich. Claire Foy, die ich nicht mag, aber vor deren Schauspielkunst ich mich nicht verschließen kann, spielt großartig gereizt und paranoid Anne Boleyn, die sich bei ihrem politischen Ränkespiel schwer verspekuliert und dafür mit ihrem Leben bezahlt.

“Wolf Hall”, wie “Wölfe” im Original heißt, ist sehr atmosphärisch inszeniert. Die Gemäuer sind echt, na ja, nicht ganz. Wie ich mit eigenen Augen bezeugen kann, steht das Schloss von Greenwich nicht mehr, aber in Großbritannien gibt es genügend Schlösser und Herrschaftshäuser, die dafür herhalten können. Es ist alles sehr dunkel, denn die Schauspieler sitzen bei Kerzenlicht und sind manchmal kaum zu erkennen, aber irgendwie passt dies auch wunderbar, denn sie alle schmieden im Dunkeln ihre Pläne, um an Heinrichs Hof zu gelangen, was die größte Macht bedeutet – die man allerdings schnell wieder verlieren kann.

Keine Ahnung, ob “Wolf Hall” je nach Deutschland kommen wird, aber es gibt ja Möglichkeiten, an die Serie heranzukommen und ich lege sie euch ans Herz, ebenso die Bücher von Hilary Mantel. Es ist schon ein sehr spannender Abschnitt englischer Geschichte und, um mal Blur zu zitieren: “It gives me a  sense of enormous well-being”, wenn ich mit den Dackeln die tägliche Runde durch den Greenwich Park absolviere und weiß, dass ich hier auf historischem Boden spaziere – hier sind sie galoppiert, der Monarch und sein engster Vertrauter, hier ging die unglückselige Anne Boleyn spazieren, dort spielte ihre Tochter Elizabeth I. Da schaut man sich Sachen wie “Wolf Hall” gleich noch lieber an: