25. Januar 2012 ››› Abgelegt unter Brit-Stuff

Ein Hoch auf Sidse

Holt tin Köfte, tin klamme Fisse. Das ist der einziger Satz, den ich auf dänisch kann und den man nicht ohne roten Ohren übersetzen kann. Ich habe ihn mir deshalb gemerkt, weil ich wissen wollte, wie man Sidse ausspricht und Freund H. sagte, es wäre wie Fisse. Das im deutschen auch ein F hat - mehr sage ich nicht. Aber zumindest weiß ich, wie man im dänischen Sidse Babett Knudsen ausspricht. In die hab ich mich verliebt, als ich sie vor Jahren in ‘Alt, blau, neu und geliehen‘ gesehen habe. Die DVD liegt nun irgendwo in den vielen Kisten in Deutschland und ich würde ihn so gerne jetzt sehen. Bin nämlich wieder im Sidse-Fieber, da die BBC momentan nicht genug von dänischen Frauen bekommen kann.

In ‘Borgen‘ spielt sie die Premierministerin und macht das natürlich ganz toll, denn diese Frau hat unglaublichen Charme, der gar nicht anders kann als durch ihre Figuren zu blitzen. Das wäre jetzt wirklicht nicht schön, wenn sich Frau Knudsen als arrogante Kuh entpuppen würde. Aber ich werde es nie erfahren. ‘Borgen’ ist klasse, denn es gibt einen Einblick hinter die Kulissen der Politik, was ja schon bei ‘West Wing’ gut funktioniert hat. ‘Borgen’ ist natürlich mehrere Nummern kleiner, aber nicht weniger faszinierend. Die Serie ist hier ähnlich erfolgreich wie ‘Kommissarin Lund’ und deshalb stehen die Chancen gut, dass sie auch die zweite und dritte Staffel kaufen. Jippie - mehr Sidse!

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23. Januar 2012 ››› Abgelegt unter Brit-Stuff

Auf die Tränendrüsen: ‘War Horse’

Ich wusste schon, dass ich bei ‘War Horse’ heulen würde. Wenn das Leben von Tieren auf dem Spiel steht, geht das nicht anders. Merkwürdigerweise hatte ich bei Spielbergs Fassung von ‘War Horse’ immer Ursus vor Augen, dabei ist Joey ein Pferd. Aber was für eines! Ein eigensinniger Warmblütler, der aber auch mal ein Feld pflügen kann. Diese Qualitäten muss er auch haben, denn er muss den Ersten Weltkrieg überleben - und hat kaum eine Chance. In Großbritannien ist der Film ein großer Hit, ebenso das Theaterstück, das nun schon seit über zwei Jahren in London gezeigt wird. Bei Pferden werden die Briten weich. Ich glaube auch nicht, dass es in Deutschland ein Denkmal für die Tiere im Krieg gibt.

Steven Spielberg hat sich also des Stoffes angenommen. Joey wird von dem störrischen Bauern Ted Nerracott (Peter Mullen) gekauft und sein Sohn macht es sich zur Aufgabe, den Wildfang zu zähmen. Aber dann kommt der Krieg und das Pferd wird verkauft. Es gerät in die unterschiedlichsten Hände und ich will hier nicht zu viel verraten, aber Glück bringt er nicht gerade. Die Kriegsszenen sind unglaublich realistisch, wenn ich das überhaupt beurteilen kann - ich habe nur einen Bruchteil gesehen - ich kann nix mehr ab. Das ist schon alles sehr packend und ich würde hier auch gerne schreiben, dass er ein großartiger Film ist. Er ist ein guter. Dass er nicht zu einem Meisterwerk wurde, liegt an dem verkitschten Ende. Tschuldigung, dass ich hier schon wieder zu viel Information gebe, aber das hätte man schon anders machen können. Weniger orange.

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19. Januar 2012 ››› Abgelegt unter Brit-Stuff

Unterkühlt: ‘Shame’

Michael Fassbender ist ja in den vergangen Jahren ganz groß herausgekommen und das auch zu Recht. Der Mann kann was - hübsch ist er dann auch noch, das hilft. Die Figuren, die er spielt, haben immer ein gewaltiges Innenleben - man kommt aber nie richtig an sie ran. Da verschließt sich dann der Blick. Ganz besonders passiert dies bei ‘Shame’, in dem er einen schwer gestörten Mann spielt. Was man auf den ersten Blick nicht erkennt. Sein Brandon ist sexsüchtig - er kann keine echten Bindungen eingehen. Sex funktioniert nur mit Fremden, wehe, es nähert sich mal eine Frau, die ihn auftauen könnte! Dann versagt er. Seine Schwester Cissy wird von der großartigen Carey Mulligan, die hier eine zum Heulen schöne Fassung von ‘New York’ singt. Auch sie ist angeschlagen, das bekommen wir gleich mit, wenn sie das erste Mal auftaucht.

Bei ‘Shame’ merkt man auch, dass ein Künstler hinter der Kamera stand. Steve McQueen legt Wert auf Ästhetik und dann nutzt er noch Musik, um seinen unterkühlten Brandon noch hilfloser zu präsentieren. Nicht unbedingt ein Film, nach dem man fröhlich hopsend aus dem Kino kommt. Aber das muss man ja auch nicht immer.

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15. Januar 2012 ››› Abgelegt unter Brit-Stuff

Ohne Worte: ‘The Artist’

Darf ich jetzt mal auch ins große Horn tuten und ein Loblied auf ‘The Artist’ singen. Dieser Film hat das Recht, alle Preise abzuräumen - nur nicht den BAFTA, den muss dann schon noch ‘Tinker Tailor Soldier Spy’ bekommen. Aber davon abgesehen ist dieser Stummfilm ein wahres Geschenk. Ja, man muss sich erst daran gewöhnen, dass nicht gesprochen wird, aber man kommt ganz schnell rein, denn dem Charme von Jean Dujardin und Bérénice Bejo kann man sich gar nicht entziehen.

Und dann hab’ ich ja noch nicht einmal den Hund erwähnt - Uggie hat es drauf. Wenn ich Ursus nur einen seiner Tricks beibringen könnte, wäre ich überglücklich, aber unser Dackel scheut die Tricks - oder ich bin einfach zu ungeduldig, kann auch sein. Aber zurück zu ‘The Artist’ - hier wird die Geschichte des großen Stummfilmstars George Valentin erzählt, der durch den Tonfilm ins Hintertreffen gerät. Sein Absturz ist gleichzeitig der Aufstieg der quirligen Peppy Miller, die zum großen Star der ersten Tonfilme wird. Ach, ach, der arme George muss durch ganz viel durch - er steht sich natürlich auch selbst im Weg. Und das alles wird mit großem Gestus erzählt und man ist sofort gefangen. Es ist ja so schön, denn alles spielt sich bei uns im Kopf ab - man muss hier ein bissken mehr leisten als sonst. Wie sie sprechen, entscheiden wir!

Ich glaube nicht, dass es nun einen Boom von Stummfilmen gibt, ‘The Artist’ bleibt ein One-Hit-Wonder, aber was für ein Wunder. Trost für all die aufgeplusterten Filmen, die manchmal das Kino verstopfen. Bitte anschauen!

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11. Januar 2012 ››› Abgelegt unter Brit-Stuff

Abgestürzt: ‘Eternal Law’

Die Herren Ashley Pharoah und Matthew Graham haben uns schon großartiges Fernsehen geschenkt - ‘Life on Mars‘ und ‘Ashes to Ashes‘ zeugen davon. Da kann man ja schon ein bissken leichtsinnig werden und über das Ziel hinausschießen. Wie sie bei ‘Eternal Law’ getan haben.

Hier kommen Engel ins schöne York, um als Anwälte zu arbeiten. Am Anfang lernen wir den naiven Chor-Engel Tom kennen, der von seinem zynischen Kollegen Zac aus dem Feld geklaubt wird. Das ist schon die erste Klischee-Nummer, die sie sich hier erlauben. Dann taucht dann noch eine Frau auf, die Zac liebt, die er aber nicht lieben darf, da Mountjoy, wie Gott genannt wird, keine größere Einmischung mit den Menschen erlaubt. Die Gute erkennt Zac aber nicht, so darf er sich weiter verzehren. Und natürlich muss es noch einen Bösewicht geben, einen gefallenen Engel, der hier die Staatsanwaltschaft repräsentiert.

Wenn wenigstens die Fälle interessant wären, aber nischte. Wahrscheinlich haben sich Graham & Co. gedacht, dass die Engelnummer reichen würde. Tut sie aber nicht. Jetzt spielen mit Samuel West und Tobias Menzies nicht die Schlechtesten der Zunft hier mit, aber das nützt auch nix. Schade, sehr schade.

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08. Januar 2012 ››› Abgelegt unter Brit-Stuff

Ursus und die Maus

Da denkt man doch, wenn man einen Hund im Haus hat, gibt es keine Mäuse. Zum ersten Mal hab ich mir gewünscht, dass Ursus ein Terrier wäre. Als nämlich diese Maus aus dem Regal auf mich zulief und er so gar nix gemacht hat. Noch nicht mal aufgemerkt! Da rannte schließlich ein Lebewesen auf ihn zu, aber er war viel mehr an der Reaktion seiner Besitzerin interessiert, die Schnappatmung bekam. Ich bin nicht stolz darauf, aber bei Nagern kriege ich die Krise - zum Glück war es keine Ratte, da wäre ich wohl vor Schreck umgekippt.

Aber diese Maus hat auch so für Unwohlsein gesorgt. Überall tauchte sie auf. Sogar auf der Heizung im Schlafzimmer. Ich will einfach glauben, dass es nur eine war. Bitte lasst mich in dem Glauben. Wir haben Fallen aufgestellt und meine Super-Sensor-Pfeifanlage, die schon in meiner ersten Wohnung die Viecher verscheucht hat. Bislang hab ich keine mehr gesehen, aber I am not counting my chickens yet, wenn ihr hier mal eine englische Weisheit haben wollt. Die können wiederkommen.

Sie haben ja auch keine Gegenwehr! Ich kann nur flüchten, der Hund ist nicht interessiert und Mr. D. kann die auch nicht mit den bloßen Händen fangen. Ich will Ursus nicht zu einer Killermaschine machen, aber ich fände es nicht schlecht, wenn er sich hier mal seinem natürlichen Jagstrieb hingeben würde und die Mäuse verjagt. Bis dahin werden nun alle Nahrungsmittel weggeschlossen, damit die Mäuse bei uns nicht genug zu fressen finden. Seufz.

05. Januar 2012 ››› Abgelegt unter Brit-Stuff

Sherlock wird immer besser

Meine Lieben in Deutschland - ihr könnt euch wirklich freuen, denn die zweite Staffel von ‘Sherlock’ ist bestes Fernsehen. Die britische Serie, die den Meisterdetektiv in die Neuzeit holt, ist einfach großartig. Die ersten drei Folgen waren ja schon der Hit, aber die neuen Folgen sind noch besser. Jawoll, noch besser!

Die Schauspieler sind nach wie vor ganz groß, aber auch das Drehbuch und überhaupt die ganze Inszenierung sorgt für ein wohliges Gefühl. Und dann ist es auch noch spannend. Bei der ‘Baskerville’-Adaption musste ich schon ganz schön oft wegschauen. Ich habe keine Ahnung, wann die ARD es ausstrahlen wird, aber ganz so lange wird es wohl nicht dauern. Hier also ein Hoch auf Benedict Cumberbatch als Sherlock, Martin Freeman als Dr. Watson und natürlich auch auf die Schreiber Moffat und Gatiss. Und sie machen noch eine dritte Staffel. Das hat Freeman neulich bei Graham Norton erzählt. Ab nächstes Jahr ist er als Hobbit ja der Superstar, mal sehen, ob er dann die Zeit findet, die Sherlock-Filme zu machen. Aber er wäre bereit, also Daumen gedrückt!

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31. Dezember 2011 ››› Abgelegt unter Brit-Stuff

Das Jahr 2011

Wenn es einen Vorsatzt für 2012 gibt - neben den üblichen ‘Ich will nie wieder so viel Schokolade essen’-Vorsätzen, dann dieser, dass ich diesen schönen Blog mehr befüllen möchte. Das normale Leben kommt mir immer dazwischen, die häusliche Idylle und natürlich die Arbeit - Miete und Rechnungen wollen schließlich bezahlt werden.

Heute ist der letzte Tag des Jahres 2011 und da steht die Liste an, die ich seit Jahrzehnten mache, mal in meinem Kopf und oft genug für die virtuelle Welt. Dieses Jahr wird es ziemlich skandinavisch und da hinke ich dem Trend in Deutschland ziemlich hinterher.

Beste Serie

Das dürfte ‘The Killing” sein, die in Deutschland vor Jahren unter “Kommissarin Lund” lief. Die BBC hat die beiden Serien im Original gezeigt und die Briten waren verzückt. Nun ja, eine bestimmte Sorte von Briten, diejenigen, die auch ‘Mad Men’ schauen. Das sind nicht viele, aber sie finden sich zumeist in den Redaktionen wieder. Die erste Staffel von “The Killing” war deshalb so großartig, weil sie sich so viel Zeit mit den Figuren genommen hat - bei 20 Stunden Sendezeit kann man das ja auch. Es war alles sehr düster, wie man sich Skandinavien im Winter halt vorstellt. Frau Grabol war beeindruckend als Sarah Lund oder Saaha Lund, wie sie ausgesprochen wird - die Dänen mögen keine Konsonaten, habe ich festgestellt.

Die zweite Staffel von ‘The Killing” ging da schon fast hopp-la-hopp und es musste natürlich der Nette sein, der sich als Bösewicht entpuppt. Und der aufrechte Politiker wird natürlich auch korrumpiert. Es gibt keine Gnade in dieser Serie, aber das macht sie ja so faszinierend und so anders. Sofie Grabol hatte noch einen denkwürdigen Kurzauftritt beim Weihnachtsspecial von “Absolutely Fabulous“, wie es schöner nicht ging. Das war dann ein richtiges TV-Weihnachtsgeschenk.

Bestes Buch

Um bei Skandinavien zu bleiben - dieses Jahr habe ich die Bücher von Jo Nesbo verschlungen, einem norwegischen Krimischriftsteller, der in Deutschland längst bekannt ist, der sich aber nun auch in Großbritannien eine große Fangemeinde erobert hat. In Deutschland habe ich immer einen weiten Bogen um die skandinavische Krimi-Landschaft gemacht, aber jetzt hat sie mich dann doch erwischt. Harry Hole ist natürlich auch ein Antiheld, ein Alkoholiker und die Fälle, die er lösen muss, sind so brutal, dass es einem doch ungemütlich wird. Die Charaktere sind alle irgendwie in blau-grau getaucht, kein Sonnenschein darunter und wenn, dann wird er gleich ins Jenseits geführt. Man freut sich nur, dass man im warmen Greenwich hockt, der Dackel an einen gekuschelt liegt und man nicht durch diese Düsterwelt laufen muss.

Bester Film

Ach, das ist einfach - “Tinker, Taylor, Soldier, Spy” mit einem unschlagbaren Gary Oldman, der als George Smiley auf leisen Sohlen durch die Spionagewelt der 70er Jahre wandelt und kaum Regung zeigt. Ich habe 2011 alle Smiley-Bücher von John Le Carré gelesen und mir vorspielen lassen - die BBC hat eine großartige Radio-Adaption mit Simon Russell Beale gemacht. Bei “Tinker, Taylor, Soldier, Spy”, den ihr guten Menschen in Deutschland bald auch sehen dürft, stimmt einfach alles - Drehbuch, Regie, Darsteller und nicht zu vergessen die braungrüne Ausstattung der 70er Jahre. Herr Firth hat nur eine Nebenrolle, aber er weiß sie zu nutzen. Wie alle, die hier nicht viele Sätze zu sagen haben - John Hurt, Benedict Cumberbatch, Ciaran Hinds, Toby Stevens, Mark Strong oder Tom Hardy - sie alle schillern auf ihre Weise. Es tauchen keine Frauen auf, was bedauerlich ist, aber dafür kann man sich ja “Bridesmaids” anschauen, das ein ganz anderes Kaliber war, mir aber ebenfalls das Herz erwärmt hat.

Musik

Erst ganz zum Schluss des Jahres bin ich zu Fopp gelaufen und habe mir die Alben des Jahres geschnappt - PJ Harvey “Let England Shake”, Laura Marling “A Creature I Don’t Know”, Elbow “Build A Rocket Boys” (sehr zum Missfallen von Mr. D, der mir jedes Mal, wenn ich die Platte laufen lasse, erklärt, wie banal und durchproduziert das Ganze klingt) und natürlich - wie Milliarden andere auf dem Planeten auch - war ich von Adele verzückt. Die junge Dame ist großartig, sie hat die dreckigste Lache, die man sich vorstellen kann und hat dann auch noch einen Dackel. Man muss sie einfach lieben.

Ich habe dieses Jahr kaum Platten gekauft, weil ich täglich mit großartigen Lieder von BBC 6 Music beschallt werde. Ich fange morgens des Tag mit Shaun Keaveny an und beende die Arbeitszeit mit Steve Lamarq. Dazwischen liegt die göttliche Lauren Laverne und die Altherrenjungs Stuart Maconie und Mark Radcliffe. BBC 6 Music ist die Station der Indie-Rocker und Popper. Morrissey, Dylan, The Clash, The Fall werden hier selbstverständlich auch gehuldigt. Und dann hört man jede Menge neuer Musik, ich bleibe also am Puls der Zeit, auch wenn meine Musikauswahl für 2011 doch eher altbacken daherkommt. Ich möchte auch noch Michael Kiwanuka ans Herz legen. Ja, bei ihm hört sich alles bekannt an, aber Himmel, sie klauen doch alle und Herr Kiwanuka singt einfach schön.

Wo ich nun in London lebe, ist mir das Radio wieder ans Herz gewachsen. Es hatte sich lange Zeit verabschiedet - HR 3 und NDR mit dem Einheitsbrei haben mir es auch leicht gemacht. Aber die BBC mit ihren tollen Sendern - BBC4 fürs Hirn und BBC6 Music fürs Herz haben mich wieder eingefangen. Wenn man so alleine vor sich hintippert und nur das Schnarchen des Dackels hört, während man arbeitet, bekommen die Stimmen aus dem Äther eine andere Bedeutung. Die Damen und Herren sind meine Bezugsgruppe, sie sind natürlich nicht meine Freunde, ganz so bescheuert bin ich auch nicht, aber sie erhellen mir so manchen tristen Arbeitstag.

Theater

Ach, da mach ich mir es einfach - ich nehme alle drei großen Produktionen, die ich gesehen habe. An meinem Geburtstag habe ich “Much Ado About Nothing” mit Guckschatz David Tennant angeschaut und der junge Mann hat mich nicht enttäuscht. Auch seine Kollegin Catherine Tate nicht, die eine wunderbare Beatrice war. Dann habe ich Kevin Spacey als Richard III gesehen und auch das war ein großes Geschenk. Er verlässt ja seinen Posten als Artistic Director am Old Vic und ich bedauere dies sehr. Es war jedenfalls denkwürdig. Genau wie Michael Sheen als Hamlet zu sehen. Da mir ja Herr Tennant als Hamlet verwehrt wurde, muss ich mich nun ganz auf Herrn Sheen stürzen, der atemberaubend war. Es spielte sicherlich eine Rolle, dass ich ziemlich dicht an der Bühne saß und mit anschauen durfte, wie sein Lockenkopf immer schwitziger wurde. Es war eine tolle Aufführung und er war ein charmanter, verletztlicher, witziger, warmherziger und durchgeknallter Hamlet - wie sich das gehört.

Guckschatz

Das ist natürlich Ursus. Ach, es war die beste Entscheidung von uns, sich dieses entzückende Wesen in unser Leben zu holen. Get thee a dackel and life will be better! Ein Hund führt entscheidend zur Lebensqualität bei - man ist mehr draußen, man plaudert mit mehr Menschen und wenn es so ein niedlicher Kerl wie Ursus ist, bekommt man ganz viel Wärme zurück. Ganz selten bekomme ich keine Reaktion, wenn ich mit ihm spazieren gehe. Es scheint, dass man hier in London ganz arg tierlieb ist und der Anblick eines trippelnden Dackel automatisch die Gesichtszüge entspannt. Und das ist auch schön - wir haben ihn ja für uns gekauft, aber wir sorgen unabsichtlich dafür, dass sich andere auch freuen. In diesem Sinne, einen guten Rutsch und ein ganz famoses 2012.tom-and-ursus1

07. Dezember 2011 ››› Abgelegt unter Brit-Stuff

Michael Sheen als Hamlet

Meine Schauspielhelden haben die Tendenz, krank zu werden, wenn ich sie sehen möchte. Es ist immer noch eine offene Wunde, dass ich David Tennant nicht als Hamlet sehen durfte. Deshalb war ich vergangene Woche auch mächtig unruhig, ob es Michael Sheen schaffen würde, den dänischen Prinz zu geben. Und hurra, kein Problem. Das Young Vic hatte sich bei der Inszenierung etwas einfallen lassen - die Zuschauer wurden durch den Hintereingang geführt und der Backstagebereich war als Nervenheilanstalt ausgestattet. Was Sinn ergab, denn Hamlet neigt ja ein wenig zu Hysterie.

Das Young Vic ist nicht so riesig wie das Old Vic, eher klein und etwas abgetakelt, aber dafür hat man wunderbar freie Sicht auf die Akteure. Und es gab viel zu sehen - Michael Sheen hat vibriert. Er ist ja ein Guter. Ich wollte ihn schon seit Jahren mal auf der Bühne erleben und konnte es gar nicht fassen, dass er ausgerechnet Hamlet spielen würde. Am Anfang war sein Charakter noch sehr freundlich - da hab ich schon andere Hamlets gesehen, die gleich von Anfang an Gift und Galle spuckten. Aber Sheens Prinz steigerte sich im Laufe des Stückes richtig schön hinein. Es war großartig. Das sind Momente, wo ich weiß, dass es keinen besseren Ort als London gibt. Nirgendwo kann man so gutes Theater sehen.

Sie waren alle gut - Vinette Robinson war eine sehr überzeugende Ophelia. Und alles in diesem Raum, der unheimlich an “Einer flog über’s Kuckucksnest” erinnerte, fast meinte man, dass Jack Nicholson um die Ecke kommen müsse. Es war ein frischer Ansatz, nicht zu modern, was gut ist, denn ich möchte meine Klassiker schon noch erkennen. Die Musik wurde von P.J. Harvey komponiert, was schon zeigt, wie cool das Ganze war.

Michael Sheen rauschte in der Theaterbar so schnell an mir vorbei, dass ich gar keine Gelegenheit hatte, ihn mir zu greifen und ihn mit Lob zu überschütten. Ist vielleicht auch besser so.

06. Dezember 2011 ››› Abgelegt unter Brit-Stuff

Unser Testosteron-Dackel

Es ist soweit - mit neun Monaten hat Ursus nun das Alter erreicht, wo die Hormone verrückt spielen. Das lässt er - zum Glück - an seinen Stoffgeier aus. Ich hoffe, das bleibt auch so. Nicht auszudenken, wenn er jeden anspringen würde - nicht schön. Und er bellt. Was klar war - ist ja schließlich ein Hund.

Aber er hat lange Zeit gebraucht, um seine Stimme zu finden. Auch hier übertreibt er nicht - der ein oder andere Skateboard-Fahrer wird angekläfft oder wir, wenn wir nicht schnell genug mit der Käsereibe über sein Trockenfutter hantieren. Wenn es so bleibt - das Humpen und das Bellen - wäre ich beglückt. Denn dann könnten wir ihn Ende nächstes Jahr auf Penelopee jagen, eine reizenden Dackeldame und dann werden da ganz entzückende Dackelbabies kommen und vielleicht nehmen wir ja eine oder einen. Man darf ja noch träumen dürfen.tomursustoll