Lars von Triers “Antichrist” ist jetzt auch in Deutschland angelaufen. Ich habe ihn vor ein paar Wochen in London gesehen - und es war ein recht traumatisches Ereignis. Besonders für meine Begleitung - es hat eine halbe Stunde Fußmarsch durch Hampstead gedauert, bis sich der junge Mann beruhigt hat. Und er hatte allen Grund. Nicht schön, wie Charlotte Gainsbourg durchdreht und erst Willem Dafoe foltert und sich dann die rostige Schere in die Vagina haut. Selbst beim Schreiben dieser Szene zieht sich alles zusammen.
Wie gesagt, Lars von Trier hat mit “Antichrist” für Aufruhr gesorgt - und das wird ihm sicher gefallen. Ich bin ja sonst immer sehr dabei, sein Loblied zu singen, aber hier fällt es mir schon schwer. Die ganze Nummer mit “Natur ist Satans Kirche” und “Frauen gebären, sind deshalb eher im Einklang mit der Natur und deshalb böse” kann und will ich nicht nachvollziehen. Es hilft auch nicht, dass Willem Dafoe im Film so besoffen von seinen Fähigkeiten als Therapeut ist, dass man kaum Mitleid mit ihm hat. Die alte These - Männer sind Analytiker und Frauen sind Gefühlswesen - Gähn!
Ebenso hätte ich auf diese Gewaltexzesse verzichten können. Ich kann ja verstehen, dass von Trier die Zuschauer schocken wollte. Jene, die eben nicht “Saw” sehen, sondern gepflegtes Autorenkino, bei dem verbal das Holz geschwungen wird und nicht wie hier der Horror-Knüppel. Zarte Seelen wie ich, die sich schon die Ohren zuhalten, sobald nur eine Pistole ins Bild kommt. So, da hat er mich mit der Gewalt schockiert. Das gebe ich ihm. Aber seiner Satanskirche trete ich trotzdem nicht bei. Basta!