Tom Ford schneidert nicht nur schöne Anzüge, er macht auch schicke Filme. Und ich bin ihm so dankbar dafür, da er damit Colin Firth endlich in die Riege von preiswürdigen Schauspielern hievt. Firth hat für seine Rolle in Fords “A Single Man” in Venedig den Preis als bester Darsteller bekommen. Und jetzt könnte er vielleicht auch für den Oscar nominiert werden. Wäre ja schön. Aber dann ist es ja so, dass er einen Homosexuellen spielt. Da gewinnt man nicht so leicht einen Oscar - es sei denn, man stirbt einen gräßlichen Aids-Tod und heißt Tom Hanks.
Egal, Preise sind ja nicht alles, gelle. “A Single Man” basiert auf einer Erzählung von Christopher Isherwood und erzählt die Geschichte von George, der nicht über den Unfalltod seines Geliebten hinwegkommt. Firth spielt diesen George ohne viel Sentimentalität, aber auch ohne große Gesten glaubt man diesem Mann seine Verzweiflung. Auch und vor allem weil er seine Trauer nicht öffentlich zeigen kann. Anfang der Sechziger Jahre gilt Homosexualität in den USA immer noch als “abartig”. George würde seinen Job als Professor verlieren, falls er sich outen würde.
Also bleibt er unsichtbar und bekommt kaum noch Luft. Dabei reicht ihm seine Umgebung schon Sauerstoffmasken - im übertragenen Sinne, natürlich, sehe schon ein bissken komisch aus, wenn man Herrn Firth die Maske aufs Gesicht drücken würde. Nein, die Sauerstoff-Geber tauchen in Gestalt von Georges bester Freundin Charly (großartig als Drama-Queen: Julianne Moore), ein unglaublich hübscher Spanier und ein Student (Nicholas Hoult, der kleine Junge aus “About a Boy”, der ganz schön groß geworden ist, wenn man mir den Tantenspruch mal erlaubt), der George anhimmelt, auf. Sie alle taumeln durch das Setting der Sechziger Jahre, schick angezogen und in großartigen Häusern.
Man kann sagen, dass in diesem Film keine hässlichen Menschen auftauchen. Und das Beste hab ich noch gar nicht verraten - Matthew Goode spielt Georges große Liebe Jim, der eben viel zu früh durch einen Autounfall sein Leben aushaucht. Goode hat eine der schönsten Stimme unter dieser Sonne und sieht auch noch zum Niederknien gut aus. Firth und er sind so ein hübsches Paar - da hüpft mein Herz.
Leider hat auch “A Single Man”, der auf dem Londoner Filmfest gezeigt wurde, noch keinen Starttermin - weder in Deutschland noch in Großbritannien. Aber vielleicht helfen ein paar Nominierungen weiter. Die Daumen sind gedrückt.