„It will be fucking disaster.“ Aber nein, Herr Eitzel, wird es nicht. Sondern eines der Konzerte der schönsten Art. Welche man nie vergisst. Warum Mark Eitzel, Sänger von American Music Club, so ein unverbesserlicher Pessimist ist, weiß der Himmel. Wir sind hier in einer schönen Kirche mitten in London, die Akustik ist super, das Publikum betet ihn an – warum sollte der Abend eine Katastrophe werden?
Aber vielleicht ist es auch eine Art Beschwörung – wenn man sagt, dass es schlimm wird, kann es vielleicht gar nicht so furchtbar werden Man muss allerdings wissen, dass Herr Eitzel dazu neigt, Konzerte vorzeitig zu beenden, weil irgendjemand was Doofes gerufen hat oder das Publikum zu früh geklatscht hat. Ist schon eine kleine Mimose, der Herr. Aber singen kann er. Mit einer Inbrunst. Und das kommt gut in dieser Kirche.
Eitzel ist solo unterwegs, hat gerade sein Album Klamath veröffentlicht und wird nur von einem Pianisten begleitet. Er singt ein paar AMC-Hits – wenn man das mal so nennen kann – so wahnsinnig viele Platten hat die Band ja leider nicht verkauft. Haben sich auch gerne mal selbst im Weg gestanden. Sei’s drum – Eitzel hat seine Fans – mehr männliche mit scheuem Blick, wenn ich mir das Publikum mal genauer anschaue.
Sie sind Zeuge, wie ihr Held gegen die Kirche und Glauben ätzt, flucht, von schlimmen Geschlechtskrankheiten erzählt und sich auf den Pfarrersstuhl fläzt und die Bibel wegwischt, während er von anderen traurigen Gestalten singt. Und die traurigste Gestalt soll natürlich Herr Eitzel selbst sein. Er mag ja häufig das graue Tier zu Besuch haben, aber heute, ausgerechnet in einer Kirche, hat er Spaß. Und wir mit ihm. Am Ende hält er am Ausgang wie ein Pfarrer Audienz, schüttelt Hände, umarmt und strahlt um die Wette mit seinen Fans. Ein „fucking Disaster“ sieht anders aus. Zum Glück.