Ich gebe hier jetzt mal zu, dass die Naturvölker nicht in meinem Fokus standen, als ich Tickets für „We Are One“ erstanden habe. Nein, die traurige Wahrheit lautet, dass mich Namen wie Kevin Spacey, Colin Firth und Juliet Stevenson gelockt haben. Ich wollte dieses „Live Aid“ der Londoner Theaterschauspieler nicht verpassen, der Grund war mir herzlich egal.
Mark Rylance, der Kinowelt vielleicht durch „Intimicy“ bekannt, hatte dieses Event ins Leben gerufen, damit wieder ein wenig Geld in die Kassen von „Survival“ kommt. Und so saß ich dann mit möglichen Gutmenschen im Saal des Apollo Theatre und wartete auf die großen Namen, die da kommen sollten. Es war klar, dass es auch ein wenig peinlich werden konnte – gut situierte Menschen, die mit getragener Stimme Lebensberichte von Indianern oder anderen Naturvölkern zum Besten geben, können unfreiwillig komisch wirken.
Als James Wilby (bekannt aus „Maurice“ und „Howard’s End“) dann aber einen Jäger aus der Kalahari-Wüste zum Besten gab, hab ich ihm fast geglaubt – so überzeugend war er. Dabei wirkt keiner posher als er.
Derek Jacobi auf der anderen Seite ist sowieso großartig - der Gute muss nur auf der Bühne mit seiner schönen Stimme Texte deklamieren und die Welt ist hingerissen. Die Damen waren aber auch toll – Juliet Stevenson, Gilian Anderson, Imelda Staunton und Felicity Kendall, die sogar Sonderapplaus bekam.
Herr Firth und Herr Spacey hatte wohl die blöde Aschewolke davon abgehalten zu erscheinen. Ich war nur zwei Sekunden traurig darüber, dafür waren alle anderen zu gut. Ich meine aber, dass die Damen vor mir doch schwer enttäuscht waren, Herrn Firth nicht mit ihrem Opernglas betrachten zu dürfen.
Ach, ich sollte vielleicht auch sagen, dass der Auftritt von Iron Maidens Bruce Dickenson dann doch eher im Grenzbereich lag - er schmetterte zur mittelalterlicher Musik “Jerusalem” und wirkte dabei seltsam verloren auf der Bühne. Er kennt ja sonst nur eine Horde Headbanger vor der Bühne. Das Intellektuellenpublikum, dass ihn im Apollo fasziniert betrachtete, wusste auch erst nicht, wie es reagieren sollte - es entschied sich dann für Juchzer und donnernden Applaus. Es war ja schließlich für einen guten Zweck.
Und jetzt möchte ich auch mehr über die Naturvölker wissen. Dafür sind solche Veranstaltungen ja gemacht – solch ignorante Torfnasen wie mich für ein Thema zu interessieren. Und das hat „We Are One“ mit Bravour geschafft. Hier noch mal interessante Links: http://www.survivalinternational.org http://www.naturvoelker.org/