27. April 2010 ››› Abgelegt unter Brit-Stuff

Mein London: Beschauliches Lincoln’s Inn Fields

Da meine ich diese Stadt so gut zu kennen und muss feststellen - ich kenne sie kaum. Warum auch - sie ist schließlich riesig. Aber dass ich ihren größten Platz noch nie gesehen habe, ist eigentlich unverzeihlich. Denn er ist so wunderschön: Lincoln’s Inn Fields erreicht man vom trubeligen Kingsway.

Es ist wie gesagt der größte bepflanzte Platz der Stadt, Anfang des 17. Jahrhunderts gebaut, aber erst hundert Jahre später für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden. Er liegt hinter dem Court of Justice, die vielen erhabenen Häuser drumherum beherbergen dann auch Anwälte und auf der Wiese erholen sich zukünftige Juristen. Es ist ein Ort der Ruhe, der großartigen historischen Architektur - eine wahre Augenweide: linwiese3

26. April 2010 ››› Abgelegt unter Brit-Stuff

Ja, wo laufen sie denn: London Marathon

tomschautmarathonWenn einem das Schicksal schon eine Wohnung an der Strecke der Londoner Marathonstrecke beschert hat, sollte man dies auch nutzen. Und so haben wir uns all die 36.000 bewundernswerten Menschen angeschaut, die an einem schönen Sonntagnachmittag 42 Kilometer gelaufen sind:

richardbranson1Wenn Virgin-Chef Richard Branson nicht netterweise riesige Schmetterlingsflügel getragen hätte, wäre er glatt unerkannt an uns vorbei gelaufen. nurseAuch dieser Marathonmensch war schon weitem gut sichtbar, während der Rino-Retter sich eher versteckt hielt: rinolaufer1Dieser junge Mann schoss allerdings den Vogel ab - er hatte sich die Statue vom Engel des Nordens auf den Rücken geschnallt - und kam tatsächlich an:angelofthenorth2Und die Letzten werden die Ersten sein: Diese Damen gehörten zwar nicht zu den Schnellsten, aber ihnen gebührt meine Hochachtung. Sicherlich nicht voll durchtrainiert, haben sie es hier schon bis zur Hälfte des Marathons geschafft. Ich wäre da schon längst bei Kilometer 5 umgekippt - Heldinnen des Marathons:unterdenletzten1

23. April 2010 ››› Abgelegt unter Other Stuff

Total eclipse of delight: Shatner and Lin Yu Chun

This makes the day: Lin Yu Chun, Asians answer to Susan Boyle, is singing his heart out and William Shatner - well, William Shatner does his “singing” with him to “Total Eclipse of the Heart”. Both are an absolute delight. Watch and get a hefty dose of joy:

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20. April 2010 ››› Abgelegt unter Brit-Stuff

“We are One” - poshe Jungs und afrikanische Jäger

Ich gebe hier jetzt mal zu, dass die Naturvölker nicht in meinem Fokus standen, als ich Tickets für „We Are One“ erstanden habe. Nein, die traurige Wahrheit lautet, dass mich Namen wie Kevin Spacey, Colin Firth und Juliet Stevenson gelockt haben. Ich wollte dieses „Live Aid“ der Londoner Theaterschauspieler nicht verpassen, der Grund war mir herzlich egal.

Mark Rylance, der Kinowelt vielleicht durch „Intimicy“ bekannt, hatte dieses Event ins Leben gerufen, damit wieder ein wenig Geld in die Kassen von „Survival“ kommt. Und so saß ich dann mit möglichen Gutmenschen im Saal des Apollo Theatre und wartete auf die großen Namen, die da kommen sollten. Es war klar, dass es auch ein wenig peinlich werden konnte – gut situierte Menschen, die mit getragener Stimme Lebensberichte von Indianern oder anderen Naturvölkern zum Besten geben, können unfreiwillig komisch wirken.

Als James Wilby (bekannt aus „Maurice“ und „Howard’s End“) dann aber einen Jäger aus der Kalahari-Wüste zum Besten gab, hab ich ihm fast geglaubt – so überzeugend war er. Dabei wirkt keiner posher als er.

Derek Jacobi auf der anderen Seite ist sowieso großartig - der Gute muss nur auf der Bühne mit seiner schönen Stimme Texte deklamieren und die Welt ist hingerissen. Die Damen waren aber auch toll – Juliet Stevenson, Gilian Anderson, Imelda Staunton und Felicity Kendall, die sogar Sonderapplaus bekam.

Herr Firth und Herr Spacey hatte wohl die blöde Aschewolke davon abgehalten zu erscheinen. Ich war nur zwei Sekunden traurig darüber, dafür waren alle anderen zu gut. Ich meine aber, dass die Damen vor mir doch schwer enttäuscht waren, Herrn Firth nicht mit ihrem Opernglas betrachten zu dürfen.

Ach, ich sollte vielleicht auch sagen, dass der Auftritt von Iron Maidens Bruce Dickenson dann doch eher im Grenzbereich lag - er schmetterte zur mittelalterlicher Musik “Jerusalem” und wirkte dabei seltsam verloren auf der Bühne. Er kennt ja sonst nur eine Horde Headbanger vor der Bühne. Das Intellektuellenpublikum, dass ihn im Apollo fasziniert betrachtete, wusste auch erst nicht, wie es reagieren sollte - es entschied sich dann für Juchzer und donnernden Applaus. Es war ja schließlich für einen guten Zweck.

Und jetzt möchte ich auch mehr über die Naturvölker wissen. Dafür sind solche Veranstaltungen ja gemacht – solch ignorante Torfnasen wie mich für ein Thema zu interessieren. Und das hat „We Are One“ mit Bravour geschafft. Hier noch mal interessante Links: http://www.survivalinternational.org http://www.naturvoelker.org/

18. April 2010 ››› Abgelegt unter Brit-Stuff

Perle des Südens: Das Horniman Museum

hornimanmuseumTief im Süden von London gibt es ein ganz entzückendes Museum – das Horniman Museum. Warum ist es so entzückend? Es hat zum Beispiel ein ausgestopftes Walross. Das mag vielleicht für den Weitgereisten nicht so aufregend sein, aber die vielen Kinder, die man in diesem Museum sieht, waren begeistert. Das Horniman ist ein Winz-Naturkundemuseum mit einem Aquarium, das zwar keine Haie aufweisen kann, dafür aber schön angeleuchtete Quallen. Dann gibt es noch einen Raum, in dem man Hunderte von Instrumenten aus aller Welt findet – im Nebenraum kann man tatsächlich einige von ihnen ausprobieren. Ganz großes Kino.

Das Café ist für Familien mit schmalen Geldbeutel ausgerichtet – hier kostet ein Butterbrot nicht die 3,80 wie in der Tate Modern, wo man wohl davon ausgeht, dass Kunstbegeisterte viel Geld verdienen. Doch zurück zum Horniman Museum. Es liegt in der Nähe von Dulwich und hat neben dem netten Café auch noch einen wunderschönen Blick auf London vom Süden zu bieten.

Wenn man da mal gerade ist, kann man auch den Berg wieder hinuntergehen und 20 Minuten zur Dulwich Picture Gallery laufen. Dazu durchquert man den netten Dulwich Park, der bei schönem Wetter pickepackevoll ist. Während man im Horniman Museum außer für Sondervorstellungen nichts bezahlen muss, drückt man für die Picture Gallery wieder flotte acht Pfund ab. Zurück kann man an den schmucken Häuschen von Dulwich Village zum Bahnhof von North Dulwich laufen.

Alles sehr schön, aber mit größter Wahrscheinlichkeit haben die wenigsten Nord-Londoner diese Gegend betreten. Es geht hier schon sehr territorial zu – die Leute bleiben in ihrer Gegend. Der Süden gilt als zu arm oder langweilig, während der Norden den Menschen aus dem Süden zu gestelzt wirkt. Es gibt sogar T-Shirts mit einem Taxi drauf und dem Schriftzug „Don’t do South London“. Ich weiß, dass man auch in Hamburg auf der falschen Seite der Alster leben konnte, aber so schlimm wie es hier manchmal zugeht, kenne ich es nicht. Zum Glück bin ich hier ja nicht geboren und muss mir diesen ganzen Territorialquatsch nicht antun – ich suche mir einfach die schönsten Ecken aus – und das Horniman Museum gehört jetzt dazu.

16. April 2010 ››› Abgelegt unter Other Stuff

A really desperate man: Brendan Fraser

Once again we have to mourn the decline of a once good actor. In the case of Brendan Fraser one might add that he has made more bad movies than good movies, but in the latter he truly shone: he was gorgeous in “Blast from the Past”, convincingly cynical in “Crash” and very mysterious in “A Quiet American”. You could forgive the other silly movies but now he has completely lost it. Like his hair, which nowadays looks quite artificial.

New evidence for Fraser’s unstoppable ride into the obscure is presented by the trailer to “Furry Vengeance”. One look at it and you know this man is desperate. Like Travolta might have been when he did these horrible baby flicks. This looks bad, really bad:

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14. April 2010 ››› Abgelegt unter Brit-Stuff

Und plötzlich steht da Toby Ziegler aus “West Wing”

Am Wochenende haben wir David Baddiels Komödie “The Infidel” gesehen. Er läuft in London nur in fünf verstreuten Kinos und so fanden wir uns dann in dem überteuerten Empire am Leicester Square wieder. Die nette Dame an der Kasse versprach uns allerdings ein “Q&A”, konnte aber nicht sagen, wer von den Machern im Kino auftauchen würde. Aber das fanden wir bald heraus. Denn Richard Schiff schlurfte an uns vorbei. RICHARD SCHIFF. Unvergesslich in meiner absoluten Lieblingsserie “West Wing” als leicht reizbarer Kommunikationschef des Weißen Hauses - Toby Ziegler:

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Um es kurz zu machen - einer meiner Helden. Von dem ich durch die ganzen DVD-Kommentare weiß, dass er kein einfacher Geselle ist. Deshalb hab ich auch allen Zuspruch von meinem Freund abgewehrt, ihn anzusprechen. Auch wenn Schiff einen sehr schluffigen Eindruck mit seiner Cordhose und Baseballkappe gemacht hat. Vielleicht hätte er sich ja auch gefreut, wenn man ihm gesagt hätte, dass man ihn ganz klasse findet. Ich werde es nie erfahren. Und nun die ganze aufregende Wochenendepisode noch einmal auf Englisch, damit es meine britischen Lieben auch verstehen:

The day  Toby Ziegler passed my way

It was celebrity time at the weekend. Well, not exactly real celebrity time if measured in terms of real Hollywood fame, but for me it was enough. I encountered Richard Schiff. “Richard who?” you will ask if you are not a “West Wing” disciple like me. He plays the slightly cantankerous Chief of Communication, Toby Ziegler. And now he appears in David Baddiel’s comedy “The Infidel” as an American cab driver who teaches Omad Djallili how to be a proper Jew. Because of this he was hovering in the lounge of the Empire at Leicester Square to introduce this movie to the London audience. Right in front of me! Did I go up and tell him how much I adore him? No, even when my boyfriend threatened to go on my behalf I couldn’t find the courage to do this fangirl thing.

Because of several DVD commentaries from “The West Wing” I know that Schiff can be difficult. I must admit he didn’t look that “difficult” when he was standing there in his rather slacker-like outfit - corduroy jeans and baseball cap. He was even chatting to this rather obscure figure in his fifties whom I’d seen wandering through the lobby, eagerly sucking his thumb and fiddling with his boxer shorts. While I am typing this,  the annoying truth is creeping up my neck - yes, I should have talked to Richard Schiff. It would have made my day. But at least the movie was funny and comes highly recommended from here:

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13. April 2010 ››› Abgelegt unter Brit-Stuff

Ein Kuchentraum

cakesDiese beiden Schätzchen hier waren das Leckerste, was in letzter Zeit in meinem Magen wanderte. In einem kleinen Shop in der Monmouth Street namens Candy Cake traf ich auf sie. Der rote Muffin hatte eine Blaubeer-Käsekuchenfüllung und das orangene Kunstwerk wartete mit einem geschmolzenen Toffee auf. Großartig. Und natürlich schweineteuer: 3,50 Pfund kostet so ein kleines Leckerli. Aber es lohnt sich. So lecker!

12. April 2010 ››› Abgelegt unter Brit-Stuff

Ein Hoch auf die U-Bahn

puppetransportDieser junge Mann kommt einem im Londoner Transportmuseum entgegen. Das Transportmuseum ist so etwas wie ein Geheimtipp unter den Museen in London. Und prima für die Kleinen, die in Bussen und alten U-Bahnen herumturnen können. Wie der Name schon verrät, wird hier Verkehr erklärt. Im obersten Geschoss kann man noch alte Omnibusse und Tramwagen bewundern, die im 19. Jahrhundert von Pferden gezogen wurden. Dann geht es aber flott zu ersten U-Bahn weiter, die 1863 Menschen durch London brachte - die erste U-Bahn der Welt, wie immer wieder gerne darauf hingewiesen wird.

Das Museum platzt auch immer wieder vor Stolz, dass es mit dem Londoner Taxi, dem roten Doppeldecker-Bus und der U-Bahn drei einzigartige und schnell wiederzuerkennende Londoner Transportmittel gibt.

Momentan läuft eine Ausstellung, die sich auf die Vorstädte konzentriert - Suburbia. Die elf Millionen Leute, die sich in der Greater London Area wieder finden, können ja nicht alle in Central London wohnen. Viele müssen morgens und abends stundenlang in überfüllten Bahnen stehen - kein Spaß. Und es ist ja noch nicht einmal so, dass die Mieten in Golders Green oder Surbiton so wahnsinnig viel billiger wären, das ist ja das Gemeine. Aber die Menschen, die in den Ausstellungsvideos Auskunft über ihre Vorstadt geben, sind alle glücklich und zufrieden. So muss das wohl sein. Und ich freu mich eben, dass ich es nach “drinnen”, nach Central London geschafft habe.

08. April 2010 ››› Abgelegt unter Other Stuff

Französisch, pragmatisch, gut: “Der Vater meiner Kinder”

Mein Reden, dass in Deutschland mehr französische Filme zu sehen sind als in Großbritannien, mag ja vielleicht immer noch richtig sein. Aber komischerweise wird “Der Vater meiner Kinder” schon in London gezeigt, obwohl er mit deutschem Geld finanziert wurde. In Deutschland startet er erst am 20.Mai. Und da sollte man sich ihn unbedingt anschauen, denn selten habe ich einen unangestrengteren Film.

Der reizende Louis-Do de Lencquesaing (ein Name, den man immer wieder nachschauen muss) spielt hier Gregoire Canvel, einen umtriebigen Filmproduzenten, der sich der Filmkunst mit Leib und Seele verschrieben hat. Selbst wenn er im wunderschönen Wochenendhaus mit seiner Frau und den drei temperamentvollen Töchtern entspannen soll, klingelt das Telefon. Und es bringt keine guten Nachrichten. Filmkunst will keiner sehen. Canvels Firma ist hoch verschuldet und ein psychopathischer schwedischer Regisseur treibt den Franzosen immer mehr in den Ruin. Dies hat schlimme Konsequenzen für den Charmeur und seine Familie.

Wie gesagt, schwerer Tobak, aber auf französische Art präsentiert. Keine suppige Sentimentalität, die ein amerikanischer Film zu dieser Geschichte aufbieten würde, aber auch keine angestrengte Schwere, die man aus deutschen Filmen kennt. “Der Vater meiner Kinder” zeigt Schmerz und Verlorenheit, aber auch paradoxerweise Lebenslust. Einen Pragmatismus, der umso erstaunlicher ist, da die Regisseurin und Drehbuchautorin Mia Hansen-Love erst 28 ist. Die darüber hinaus auch noch einen exzellenten Musikgeschmack beweist - sie startet den Film mit Jonathan Richmans “Egyptian Reggae“. Ewig nicht mehr gehört. Es war eine Freude - wie der gesamte Film. Also bitte im Mai anschauen.

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