31. Mai 2010 ››› Abgelegt unter Brit-Stuff
Ich muss ja zugeben, dass der ganze Grand Prix-Kram komplett an mir vorbei gegangen ist. Erst bei meinem Deutschlandbesuch wurde ich mit dem Phänomen, das Lena Meyer-Landrut konfrontiert. Meine Patenkinder sangen mir mit leuchtenden Augen ihr “Satellite” vor. Und ich musste zugeben, dass es gar nicht so eine peinliche Nummer war. Sogar richtig gut.
Die nächsten Tage ging mir der Song gar nicht mehr aus dem Kopf. Ganz im Gegenteil zu dieser Nullnummer, die die Briten ins Rennen geschickt haben - Josh Dubovie mit einem Song von Stock/Waterman, die die Welt in den 80er Jahren schon mit schlimmer Musik verseucht haben. Und sie wurden zu Recht mit dem letzten Platz beim Grand Prix bestraft. Selbst die britische Presse konnte daran nichts aussetzen, alle fanden den Song doof. Was sie aber nicht mochten - Deutschland auf Platz 1. Damit konnten sie so gar nicht umgehen. Der Telegraph schrieb tatsächlich, dass die europäischen Länder für Deutschland gestimmt hätten, weil sie Geld brauchten. Pfui!
Und dann haben sich einige noch über das Englisch von Frau Meyer-Landrut aufgeregt. Nur der Blogger vom Guardian war ganz verliebt in Lena, verglich sie sogar mit Björk. Graham Norton, der für die BBC das ganze Spektakel moderierte, machte sich noch über Hape Kerkeling lustig. Ach, alles nicht so nett. Jetzt kann man nur hoffen, dass die Engländer bei der Weltmeisterschaft gut abschneiden - noch so eine Schlappe verkraften die Damen und Herren hier nicht.
21. Mai 2010 ››› Abgelegt unter Brit-Stuff
Der Guardian hat eine nette Rubrik, bei der Musiker erklären, wie sie einen bestimmten Song geschrieben haben. Nun hat der von mir sehr verehrte Neil Hannon von “The Divine Comedy” sein sehr schönes “At the Indie Disco” vorgestellt. Sehr charmant, sehr britisch, sehr nett, aber seht selbst: “How I wrote At the Indie Disco“
13. Mai 2010 ››› Abgelegt unter Brit-Stuff
Na, da kann man doch mal sagen, dass Proteste und Aufrufe sich lohnen. Mein geliebter Radiosender BBC 6 Music soll ja Ende 2011 schließen. Groß war die Not, mittlerweile gibt es eine Facebookgruppe “Save 6 Music” und Demos gab es auch schon. Aber das Schönste - durch den ganzen Radau hören nun viel mehr Menschen den Sender. Zu wenig Zuhörer lautete ja die Begründung vorher - nur knapp 600.000. Aber jetzt hat sich die Zahl fast verdoppelt - über eine Million lauschen nun Jarvis Cocker, Lauren Laverne und Co. Da können die den Laden doch nicht dicht machen. Die Hoffnung stirbt zuletzt.
10. Mai 2010 ››› Abgelegt unter Brit-Stuff
Ich möchte dieses Mal Deutschland auf Herrn Brooker aufmerksam machen - eine scharfzüngigere britische Ausgabe von Oliver Kalkofe - also besser. Der Gute hat eine Kolumne im Guardian, die ich mit fast religiösem Eifer lese - sie ist sehr ironisch, treffsicher. Manchmal schießt er ein bissken zu sehr aus seinen Giftspritzen, aber es ist immer sehr unterhaltsam. Sein Thema ist das Fernsehen - deshalb auch der Vergleich mit Herrn Kalkofe. Er hat gleich mehrere Sendungen- in “Newswipe” haut er auf das Infotainment der Zunft drauf und für “You Have Been Watched” leitet er eine der unvermeidlichen Panel-Shows, die es im britischen Fernsehen im Überfluss gibt.
Man möchte ungern in sein Visier geraten, rhetorisch begabt wie er ist. Aber er ist auch Fan. “Doctor Who“, um es genauer zu sagen - und damit allein hat er schon mein Herz gewonnen. Hier regt er sich über die Trailerpolitik von BBC auf, die beim dramatischen Ende einer “Doctor Who”-Folge eine Werbung für Graham Norton über das Gesicht von Matt Smith flimmern ließ:
07. Mai 2010 ››› Abgelegt unter Brit-Stuff
So, jetzt haben sie gewählt - und alle schauen irgendwie unglücklich drein: Die Tories haben keine absolute Mehrheit, die LibDems waren dann doch nicht das gelbe Wunder und Labour hat verdammt viele Sitze verloren. Aber keiner kann ohne den anderen regieren. Da stehen sie hier nicht drauf - Koalition.
Wir werden sehen, wie das Spiel weitergeht: Herr Cameron spricht mit den LibDems. Die Liberalen wollen eine Änderung des Wahlrechts, da machen die Tories aber nicht mit. Deshalb könnte jetzt tatsächlich noch Labours Stunde schlagen. Sie locken die Liberalen damit, dass sie es auch ändern wollen. Es ist ja auch ziemlich ungerecht - the Winner takes it all. Und kleine Parteien haben da keine Chance - was im Fall von der rechtsradikalen BNP auch besser ist, aber ziemlich doof für die Grünen, wenn ich das mal als Sympathisantin so sagen darf. Aber die haben jetzt tatsächlich einen Sitz im Parlament. Die guten Menschen von Brighton haben Charlotte Lucas gewählt. Das gibt Hoffnung.
06. Mai 2010 ››› Abgelegt unter Brit-Stuff
Heute wird gewählt in diesem Land. Eines der Wahllokale ist in der Schule gegenüber von unserem Haus - ich mache schon den ganzen Morgen heiteres Wählerraten. Es sieht schon düster aus. Die Briten haben genug von Gordon Brown und seiner Labour Party. Sie wählen alles, was nicht so aussieht wie der Schotte und Labour heißt. Brown ist kein Charmebolzen. Es hat auch nicht geholfen, dass ein Buch ihn als Choleriker beschrieben hat, der seine Umgebung mit schlechter Laune terrorisiert.
Dann ist ihm auch noch die Sache mit der „bornierten Frau“ passiert. Eine Labour-Wählerin hatte ihn bei einer Wahlveranstaltung mit der Zahl von Einwanderern konfrontiert und Brown hatte sich danach über sie als Idiotin beschwert – das Mikro war noch angeschaltet. Autsch! Das sind so Nummern, die auch in „The Thick of It“ passieren könnten, einer meiner britischen Lieblingsserien, eine Art „West Wing“, nur böser und viel witziger. Hier kann man den Spin Doctor von Downing Street erleben, der einen unglückseligen Minister rundmacht, weil er das falsche Interview gibt:
Ich kann mir gut vorstellen, wie sie alle auf Brown eingehauen haben, als ihm das mit der bornierten Frau passiert ist. Wahrscheinlich nur hinter vorgehaltener Hand – sie haben doch alle Angst vor ihm. Der Gute schmeißt ja gerne mal mit Gegenständen.
Im Unterschied zu ihm kommt David Cameron als guter Schwiegersohn daher - keine Wutausbrüche, immer höflich. Okay, er wurde bei der ersten Fernsehdebatte vom Liberalen Nick Clegg an die Wand gespielt, aber das geht wohl auch vorüber. Es sieht wohl so aus, als ob Cameron bald derjenige sein wird, der Frau Merkel die Hand schütteln darf. Dabei ist er eher europaskeptisch. Der Tory hat Wahlkampf damit gemacht, dass er Europa-Entscheidungen in Frage stellen wird und sogar angedeutet, dass man den Europa-Vertrag noch mal überdenken könne. Dabei war das Ding schon längst in trockenen Tüchern. Großbritannien ist in der EU, profitiert davon und leidet darunter – wie allen anderen EU-Staaten auch. Diese Europaskepsis macht die Tories nicht gerade sympathisch. Wenn sie nicht sowieso schon auf der Seite der dunklen Macht wären.
Die Liberalen könnten das Zünglein an der Waage sein – ihr Kandidat Nick Clegg kam ziemlich gut bei den Fernsehdebatten rüber – über 10 Prozent mehr wollten danach die Liberal Democrats wählen – die Macht des Fernsehens. Nur weil einer charmieren kann, wird er gewählt. Da kann man schon ein bisschen ins Kissen weinen. Die Liberalen sind hier eher sozialdemokratisch unterwegs denn marktliberal. Das ist wohl in diesen Zeiten so – alle geben sich als Retter des sozialen Systems. Keiner gibt zu, wie hart es werden wird. Und es wird hart – Großbritannien hat ein Defizit, das Schnappatmung provoziert – Griechenland lässt grüßen. Kein Spaß für die Damen und Herren, die regieren werden. Man kann nur hoffen, dass die Brachialgewalt von Thatcher keine Renaissance feiern wird. Wie gesagt - düstere Aussichten.
05. Mai 2010 ››› Abgelegt unter Brit-Stuff
Samuel Johnson ist in Deutschland nicht bekannt, aber in Großbritannien wird er als einer der ganz Großen gewürdigt. Kein Wunder, er hat schließlich auch das “Dictionary of the English Language” geschrieben, das 1755 veröffentlicht wurde. Er war ein Mann mit vielen Ticks, aber er hat auch eine tiefe Wahrheit in die Welt hinausgeschleudert: 
02. Mai 2010 ››› Abgelegt unter Brit-Stuff
Das nennt man trotzig: “The Globe”, ein Pub am Borough Market in der Nähe von der London Bridge, will der modernen Welt nicht weichen. Da wo das schmucke Häuschen steht, soll ab 2012 ein schicker gläserner Komplex stehen.
Das “Globe” ist allerdings auch nicht irgendein Gebäude. Nein, es beherbergte im Film “Bridget Jones” die Titelheldin. Vor diesem Haus knutscht sie Mark Darcy. Das kann man doch auch nicht einfach abreißen. Und so ist alles gut - “Bridget Jones”-Fans können also weiterhin zum Globe pilgern und ein Foto machen. Es wird allerdings ein bischen laut werden. Das Haus wird nämlich jetzt von den bösen Mächten, die auch den 310 Meter hohen Turm gegenüber geplant haben, einfach umbaut: