29. September 2010 ››› Abgelegt unter Brit-Stuff
Ich gebe zu, dass ich in meinem Leben vielleicht vier oder fünf Mal mit einem Videospiel zu tun hatte. Zu Angelina Jolies “Lara Croft” habe ich mal versucht, ihre Heldin per Tastenkombination springen zu lassen - großes Desaster. Sie ist nur gelaufen, mehr habe ich nicht zustande bekommen. Ich hatte mich eigentlich damit abgefunden, dass ich diese Art von Medienkompetenz meinen Nichten und Neffen überlassen werde und meine Zeit weiterhin mit Film, Funk und Fernsehen verbringe. Aber jetzt kommt ein Videospiel heraus, für das ziemlich coole Menschen ihre Stimme geliehen haben. Wenn man “Fable III” spielt, kann man Stephen Fry, Simon Pegg, Michael Fassbender, John Cleese, Nicolas Hoult und Jonathan Ross hören.
Ich bin schwer in Versuchung, aber dann sage ich mir, dass selbst diese coole Besetzung aus mir keine Video-Spielerin machen wird. Also doch lieber Scrabble…
24. September 2010 ››› Abgelegt unter Brit-Stuff
Ach, ich hab ja mal wieder einen netten Film gesehen. Also wirklich nett. Die Sorte Film, die eine hübsche Landschaft hat, dass man gleich aufs Land fahren möchte: “Tamara Drewe” mit Gemma Arterton in der Titelrolle. Sie spielt eine Journalistin, die in ihr altes Heimatdorf zurückkehrt und dort allen den Kopf verdreht. Die von mir sehr verehrte Tamsin Greig (”Black Books”, “Green Wing”) gibt die verhärmte Gattin eines Bestsellerautors, der wiederum von dem wunderbaren Roger Allem (”The Thick of It”) dargestellt wird.
Das Ganze nimmt den Literaturbetrieb schön auf die Schippe und ist wirklich sehr schön anzuschauen. Kein Meisterwerk, aber man kommt mit einem Lächeln wieder aus dem Kino. Und das ist doch schon was. Leider müssen sich die Deutschen noch bis zum 30. Dezember gedulden, aber es lohnt sich. Ein guter Film, um das neue Jahr zu starten:
22. September 2010 ››› Abgelegt unter Brit-Stuff
Die neunte Staffel von “Spooks” ist zurück und schon im Vorspann passiert so viel, dass einem der Kopf schwirrt. Es hat jetzt wenig Sinn, darauf genau einzugehen. Niemand in Deutschland hat sie gesehen - nur Menschen, mit einem Zug zur Illegalität, dürften diese erste Folge gesehen haben. “Spooks” ist eine britische Spionage-Serie. Die Figuren müssen Großbritannien ständig retten - irgendjemand will immer London in die Luft jagen oder andere böse Dinge tun.
Bei der Serie gehen ständig die Hauptfiguren drauf. Das ist quasi ihr Markenzeichen. Ich habe schon darüber geschrieben, dass man das in Deutschland selten macht. Aber bei “Spooks” muss man den Kinderglauben, dass Helden nicht sterben können, gleich mal wieder verlieren. Das macht die Serie ja auch so spannend, dass ich mir fast in die Hose mache. Die Hälfte der Folge habe ich nur hinter dem Kissen sehen können - Mr. D. musste mir immer erzählen, was passiert. Aber was ich gesehen habe, war toll. Und Sophia Myles spielt jetzt mit - sehr talentierte junge Dame. Um die man sich gleich mal wieder Sorgen machen muss. Dass Richard Armitages’ Lucas North dieses Jahr den Löffel abgeben wird, ist auch schon fast sicher. Großer Seufzer.
21. September 2010 ››› Abgelegt unter Brit-Stuff
Am Sonntag war Open House in London. Gebäude, die normalerweise der Öffentlichkeit nicht so zugänglich sind, öffnen ihre Pforten. Andere Häuser, die sonst zwar auch geöffnet sind, geben noch einmal einen zusätzlichen Blick hinter die Kulissen. In einige kommt man nur mit Voranmeldung wie zum Beispiel dem BT-Tower und dann auch nur wenn man per Los gewinnt. Ansonsten steht man an. Wie bei der Bank of England. Ich glaube, das unterscheidet mich von den Briten. Ich mag nicht zweieinhalb Stunden anstehen, um in ein Haus zu kommen.
Ich werde also nie erfahren, wie es im Innern der Bank of England aussieht oder ich bin nächstes Jahr einfach fixer. Aber dafür konnte ich in der City die älteste Synagoge betrachten und der Kreuzritter-Orden hat auch seine Pforten geöffnet. Das ist schon komisch, denn hier hat man wirklich das Gefühl, dass man Macht atmet.
Man kommt durch eine dicke eiserne Tür von der Fleetstreet und muss sich dann durch die Gassen schlagen. In dem Gebäudekomplex befindet sich auch die Kirche, in der die Kreuzritter aus dem 12. Jahrhundert begraben liege. Temple Church ist auch manchmal für Touristen geöffnet - da sollte man sich erkundigen, wann sie geöffnet ist.
Überhaupt sollte man bei einem Besuch der City unbedingt einen Besuch abstatten. Das ist der Bereich, der vom Tower bis zum Gerichtsgebäude reicht. In den kleinen Gassen kann man sich schon ein wenig verlieren, aber Abstecher lohnen sich immer. Wir sind von der Fleetstreet rechts in eine kleine Gasse gegangen und befanden uns plötzlich auf journalistisch historischem Boden:

Gedanktafel für die erste Druckermaschine
20. September 2010 ››› Abgelegt unter Brit-Stuff
“Mad Men” läuft in Großbritannien bei der BBC. Wenn man momentan die Magazine wälzt, dann sieht man überall den Einfluss der Serie, die von einer Werbeagentur in den 60er Jahren erzählt. Jon Hamm, der hier den undurchsichtigen Don Draper spielt, ist längst ein Sex Symbol, ebenso Christina Hendricks, deren kurvenreiche Figur auf der ganzen Welt für große Augen bei den Herren sorgt. Ich schreibe hier - auf der ganzen Welt - weiß aber ganz genau, dass ich in einer Blase lebe. Auch wenn sämtliche Medienleute meinen,
dass “Mad Men” das Beste ist, was je im Fernsehen zu sehen war, hat es keine Wirkung.
Es schaut keine Sau zu. Gerade mal 350000 wollen die Serie in Großbritannien sehen. Zum Vergleich: “Spooks” hat sieben Millionen Zuschauer. Da stimmt doch was nicht. Es scheinen wirklich Parallelwelten zu existieren. Seufz.
19. September 2010 ››› Abgelegt unter Brit-Stuff
So, ich schreibe ja mittlerweile über Mode - icke! Die sich seit einem Jahr kein neues Teil gekauft hat. Aber mittlerweile weiß ich, was die modebewusste Dame so trägt - rote Strumpfhosen! Strick! Trekking-Booties! Biker Boots! Dunkelblau lackierte Nägel! So, nachdem ihr das jetzt wisst, muss ich doch mal schnell erzählen, dass ich bei der Vivienne Westwood-Modenschau fotografiert worden bin. Okay, ich muss hier gleich mal relativieren. Ich saß nicht drin, sondern bin am Claridge-Hotel vorbeigekommen. Es ist ja die Londoer Fashion Week und somit finden überall Modeschauen statt. Ich bin natürlich stehen geblieben, um gleich mal mein Wissen aufzufrischen, was es sonst noch so Trendiges gibt.
Vor dem Hotel bildete sich eine Schlange von Menschen, die unbedingt in Westwood-Schau herein wollten. Und vor der Schlange war wiederum eine Menschenmenge, die diese Leute betrachteten. Und jede Menge Fotografen. Und einer hat meine Tasche fotografiert - meine olle Filztasche von Blutkarpfen. Die ist jetzt Trend. Damit ihr es nur wisst. Ich war so stolz. Dass ich mal einen Trend repräsentiere - es geschehen noch Zeichen und Wunder.
14. September 2010 ››› Abgelegt unter Brit-Stuff

Unser Blick auf die Bühne der Royal Festival Hall
Jippie, wir sitzen im schönen großen Saal der Royal Festival Hall und warten auf Stephen Fry. Wir haben die letzten Tickets bekommen, das erklärt auch, dass wir gaaaaaaaaaaaaanz weit hinten sitzen. Aber das macht ja nix. Man hört ja Herrn Fry gerne zu und muss nicht unbedingt jede Augenbraue von ihm betrachten können. Frys Bücher sind ja auch in Deutschland übersetzt und deshalb dürfte er kein Unbekannter sein.
Vor allem hat er die Harry-Potter-Bücher vorgelesen - ich bin da im ständigen Clinch mit meiner Nichte, die Rufus Beck für den besseren Potter-Hörbucherzähler hält. Mitnichten! Herr Fry ist der Beste. Aber heute Abend erzählt er nicht von Zauberern sondern von seinem Leben. Er hat seine zweite Autobiografie geschrieben. Genau - die zweite. Andere können ihr Leben auf hundert Seiten packen - Herr Fry hat bei seiner letzten Autobiografie “Moab is my Washpot” es gerade bis 20 geschafft und nun in “The Fry Chronicles” geht es auch nur bis zum 30. Lebensjahr.
Aber in seinen Zwanzigern ist ja auch einiges passiert. Er ging nach Cambridge, traf dort Emma Thompson und - viel wichtiger - Hugh Laurie. Laurie, der Welt nun als Dr. House bekannt, hat ja eine Komiker-Vergangenheit. Zusammen mit seinem besten Kumpel hat er “A Bit of Fry and Laurie” gemacht. Das war sehr erfolgreich und hat aus beiden Stars gemacht.
Fry liest an diesem Abend aus seinem Buch vor oder plaudert einfach so aus seinem Leben. So oder so ist es sehr unterhaltsam. Der Mann weiß ja so viel und er kann so wunderbar erzählen und erklären. Ich möchte nicht wissen, wie viele ihr Wissen aus seiner “QI”-Show holen. Er ist der Mann, dem man zum Dinner einlädt und sich dann keine Sorgen machen muss, wer die Unterhaltung schmeißen wird. Man muss wohl nicht sagen, dass wir alle nach diesem Abend beschwingt nach Hause gegangen sind und uns geschworen haben, unser Vokabular ein wenig aufzuhübschen. Und das Buch haben wir natürlich auch gekauft!
10. September 2010 ››› Abgelegt unter Brit-Stuff
Ich hab gepflanzt! Zum zweiten Mal in meinem Leben und nun blüht eine Art von Stiefmütterchen vor unserem Fenster. Der junge Mann im Baumarkt war wenig hilfreich. Ich hatte ja gedacht, dass er sich mit Begeisterung auf eine Novizin wie mir stürzen würde und mir etwas erklären würde. Aber nein - er ging wortlos auf eine Reihe von Pflanzen zu und würgte die Wörter “Pflanzen für den Herbst” heraus. Ich hab mir also die Dinger geschnappt, sie eingepflanzt und mit klopfendem Herzen gewartet, ob sie nicht gleich den Geist aufgeben. Aber nein - sie blühen. Und ich hab doch einen grünen Daumen - irgendwie: 
09. September 2010 ››› Abgelegt unter Brit-Stuff
Gestern gab es im BFI eine Preview von “The Special Relationship”, ein Film über die Beziehung von Tony Blair zu Bill Clinton. Einer meiner Drehbuchautorenhelden (langes Wort) hat es geschrieben: Peter Morgan. Der Mann schreibt so schön. Meistens über real existierende Menschen. Und meistens darf Michael Sheen sie spielen wie David Frost in Frost/Nixon oder Brian Clough in “The Damned United” und eben Tony Blair in “The Deal” und “The Queen”.
Sheen beherrscht seinen Blair mittlerweile im Schlaf. Er und Morgan stellten sich nach der Preview den Fragen des Publikums. Auf die Frage, warum er im Unterschied zu “The Deal” hier auf viele von Blairs Manierismen verzichtet hätte, kam das schlichte “I couldn’t be arsed”. Herrlich. Er muss es ja auch wirklich nicht - man nimmt ihm den Blair hundertprozentig ab, was man leider von Quaids Clinton überhaupt nicht sagen kann. Himmel, was haben sie dem Mann für eine wenig überzeugende Maske verpasst - man ist die ganze Zeit beschäftigt auf sie zu schauen und achtet dadurch kaum auf die Figur.
Das ist auch der einzige Vorwurf, den ich “The Special Relationship” machen kann. Hope Davies ist prima als Hillary Clinton ebenso Helen McCroy als Cherie - beide Damen erscheinen viel warmherziger als man sie sonst so sieht. Auch Blair wirkt ja immer noch sympathisch, obwohl man am Schluss schon seinen Pakt mit der bösen Macht ahnen kann. Das wird wahrscheinlich noch die interessanteste Geschichte - wie aus dem Liebling der Massen der Mann wird, dessen Name viele Brite nur noch mit viel Verachtung über die Lippen bringen können.
Morgan hat gestern angedeutet, dass er gerne noch einen vierten Blick auf Blair werfen würde - Sheen wäre dabei, auch wenn er sagt, dass seine Lieblings-Morgan-Gestalt (wieder so ein langes Wort) eigentlich Brian Clough sei. Aber er ist nun mal jetzt der Film-Blair, das macht er gut, das muss er halt wieder machen.
08. September 2010 ››› Abgelegt unter Brit-Stuff
Die XX haben den Mercury-Preis gewonnen, langweilige Elektronikmucke, die sehr an die 80er Jahre erinnert lautet das vernichtende Urteil. Von mir. Ich fand die Alben von I Am Kloot , Villagers und der famosen Laura Marling viel besser. Aber mich fragt ja keiner.