Ich habe Serge Gainsbourg nur als versoffenen Franzosen im Kopf, der die schönsten Frauen abbekommen hat. Der Film “Gainsbourg”, den die Deutschen erst im Oktober sehen dürfen, gräbt da ein bisschen tiefer, so dass Ignorantinnen wie ich auch was lernen. Regisseur Sfar schreibt und malt eigentlich Comics, das hat er sich hier zunutze gemacht.
Gainsbourg wird nämlich im Film immer wieder von seiner karikaturhaften Visage, wie sie Antisemiten gerne gezeichnet haben, eingeholt. Der arme Mensch, der darunter eingegangen sein muss oder es war CGI, sah aber nicht danach aus. Lucien Ginsburg, so der richtige Name von Gainsbourg, war zeitlebens Antisemitismus ausgesetzt - eine Tatsache, die ich gar nicht wusste.
Eric Elmosnino spielt ihn mit verletzlicher Arroganz - und sieht ihm wirklich sehr ähnlich (wie es sich schließlich für einen biografischen Film gehört, was für eine idiotische Aussage, aber lassen wir mal so stehen). Lucy Gordon spielt Jane Birkin, die Mama von Charlotte Gainsbourg. Gordon hat sich kurz vor Veröffentlichung des Films erhängt - sie war 29. Das gibt dem ganzen Film noch eine zusätzliche melancholische Note - die Britin spielt hier nämlich richtig gut. Es wäre der Start für eine große Karriere gewesen. Schon traurig. So bleibt “Gainsbourg” ihr filmisches Vermächtnis - aber es ist zumindest ein sehr gutes: