07. Dezember 2011 ››› Abgelegt unter Brit-Stuff

Michael Sheen als Hamlet

Meine Schauspielhelden haben die Tendenz, krank zu werden, wenn ich sie sehen möchte. Es ist immer noch eine offene Wunde, dass ich David Tennant nicht als Hamlet sehen durfte. Deshalb war ich vergangene Woche auch mächtig unruhig, ob es Michael Sheen schaffen würde, den dänischen Prinz zu geben. Und hurra, kein Problem. Das Young Vic hatte sich bei der Inszenierung etwas einfallen lassen - die Zuschauer wurden durch den Hintereingang geführt und der Backstagebereich war als Nervenheilanstalt ausgestattet. Was Sinn ergab, denn Hamlet neigt ja ein wenig zu Hysterie.

Das Young Vic ist nicht so riesig wie das Old Vic, eher klein und etwas abgetakelt, aber dafür hat man wunderbar freie Sicht auf die Akteure. Und es gab viel zu sehen - Michael Sheen hat vibriert. Er ist ja ein Guter. Ich wollte ihn schon seit Jahren mal auf der Bühne erleben und konnte es gar nicht fassen, dass er ausgerechnet Hamlet spielen würde. Am Anfang war sein Charakter noch sehr freundlich - da hab ich schon andere Hamlets gesehen, die gleich von Anfang an Gift und Galle spuckten. Aber Sheens Prinz steigerte sich im Laufe des Stückes richtig schön hinein. Es war großartig. Das sind Momente, wo ich weiß, dass es keinen besseren Ort als London gibt. Nirgendwo kann man so gutes Theater sehen.

Sie waren alle gut - Vinette Robinson war eine sehr überzeugende Ophelia. Und alles in diesem Raum, der unheimlich an “Einer flog über’s Kuckucksnest” erinnerte, fast meinte man, dass Jack Nicholson um die Ecke kommen müsse. Es war ein frischer Ansatz, nicht zu modern, was gut ist, denn ich möchte meine Klassiker schon noch erkennen. Die Musik wurde von P.J. Harvey komponiert, was schon zeigt, wie cool das Ganze war.

Michael Sheen rauschte in der Theaterbar so schnell an mir vorbei, dass ich gar keine Gelegenheit hatte, ihn mir zu greifen und ihn mit Lob zu überschütten. Ist vielleicht auch besser so.

06. Dezember 2011 ››› Abgelegt unter Brit-Stuff

Unser Testosteron-Dackel

Es ist soweit - mit neun Monaten hat Ursus nun das Alter erreicht, wo die Hormone verrückt spielen. Das lässt er - zum Glück - an seinen Stoffgeier aus. Ich hoffe, das bleibt auch so. Nicht auszudenken, wenn er jeden anspringen würde - nicht schön. Und er bellt. Was klar war - ist ja schließlich ein Hund.

Aber er hat lange Zeit gebraucht, um seine Stimme zu finden. Auch hier übertreibt er nicht - der ein oder andere Skateboard-Fahrer wird angekläfft oder wir, wenn wir nicht schnell genug mit der Käsereibe über sein Trockenfutter hantieren. Wenn es so bleibt - das Humpen und das Bellen - wäre ich beglückt. Denn dann könnten wir ihn Ende nächstes Jahr auf Penelopee jagen, eine reizenden Dackeldame und dann werden da ganz entzückende Dackelbabies kommen und vielleicht nehmen wir ja eine oder einen. Man darf ja noch träumen dürfen.tomursustoll

30. November 2011 ››› Abgelegt unter Brit-Stuff

Dackel im Greenwich Park

vierdackelAm Sonntag begaben sich Mr. D., Ursus und ich in den Greenwich Park. Wir sind da eigentlich jeden Tag, aber dieses Mal sollten sich dort Dackelbesitzer aus Südlondon treffen und wir waren mächtig gespannt. Erst war niemand da, aber dann tröpfelten sie alle ein - es war herrlich. Irgendwann tollten 12 Dackel auf der Wiese und es war eine Freude, ihnen zuzusehen.

Keiner von ihnen war fies gegenüber seinen Artgenossen, nur Litschku, ein schwarzer Kurzhaardackel bellte, aber nur, wenn sich ihm ein großer Hund näherte. Es war so nett, mit anderen Dackelbesitzern zu plaudern, denn natürlich glauben wir alle, dass wir eine besondere Rasse gewählt haben  - stur, witzig und unglaublich reizend. Auch war es nett, sich gegenseitig zu bestätigen. Die Erleichterung, die man empfindet, dass andere den Kampf gegen die Eroberung des Bettes auch aufgegeben haben.

Fast alle Dackel schliefen im Bett - siehste! Ich bin ja nicht stolz, dass Ursus es wieder geschafft hat. Ja, ich hatte geschrieben, dass er wieder in seinem Käfig schläft - hah! für zwei Nächte, dann war es wieder vorbei - wir sind einfach schwache Geschöpfe. Aber ansonsten war es auch gut, zu sehen, dass Ursus eine gute Figur machte. Anders als Brandy. Seine Besitzerin sagte, er will nicht laufen. Und man konnte es sehen. Sie schleifte ihn hinter sich her. Aber das war noch lange keine Entschuldigung, dass er so fett war. fatbrandyBrandy ist erst ein Jahr alt, aber weil er so fett ist, wirkt er viel älter. Ich kann verstehen, dass man nicht immer verhindern kann, dass der Hund was frisst. Aber so? Brandy wird bald Probleme mit seinem Rücken haben, es war wirklich schlimm. Wir versuchen alles, dass Ursus nicht mopsig wird und dadurch keine Rückenprobleme bekommt. Mal sehen. Auf alle Fälle gehen wir bestimmt wieder zu einem der nächsten Dackeltreffen - denn es bringt doch viel Sonne ins Herz.

Zum Schluss kam eine Frau mit fünf Dackel, davon drei Welpen - wir waren alle gleich verliebt. Zwei hatte sie nur zur Pflege und wollte sie wieder abgeben, ein Brüderpaar, das nur zusammen abgegeben werden konnte. Wir waren schwer in Versuchung, aber drei Dackelwelpen sind dann doch zuviel - seufz. Oder vielleicht doch nicht?

28. November 2011 ››› Abgelegt unter Brit-Stuff

The Killing 2 und ich bin wieder angefixt

Auf BBC4 läuft gerade die zweite Staffel von ‘The Killing 2′. Ja, ich weiß, ‘Komissarin Lund’ lief natürlich schon längst in Deutschland. Sie sind hier einfach ein bissken zurück, aber die Skandinavien-Begeisterung hat Großbritannien voll erwischt. Krimis von Nesbo, Stieg Larsson oder Wallander finden sich auf den Bestsellerlisten. Das ist nicht so selbstverständlich, denn so wahnsinnig viele Bücher werden in diesem Land nicht übersetzt.

Und nun hat die Skandinavienwelle auch wieder das Fernsehen erfasst - ‘The Killing 2′ wird im Original gezeigt und ich kann mal wieder raten, was ich aus dem Dänischen verstehe - bang sagen sie zu Angst, das kenne ich aus dem westfälischen Platt - die Bangebüx. Und natürlich ist alles mal wieder ganz großartig und ich beiß’ in mein Kissen. Mr. D. schaut sich das nicht an, was schade ist, denn dann kann er mir die spannenden Stellen nicht erzählen und ich muss sie nun selber schauen. Was ich nur mit Kissen kann - I am a wuss, I know.

Jedenfalls ist auch die zweite Staffel allererste Sahne und ich habe meine Theorien, was dahinter steckt - habe den Colonel in Verdacht, aber wer weiß - okay, die Deutschen und Dänen, die es schon geschaut haben - harumpf. Zum Glück zeigt BBC4 immer zwei Folgen auf einmal, das Ganze dauert also nur fünf statt zehn Wochen bis man weiß, ob der Colonel hinter den wirklich ekeligen Morden steckt.

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24. November 2011 ››› Abgelegt unter Brit-Stuff

Bobby und ich im Hammersmith

Nun habe ich also zum 14. Mal Bob Dylan gesehen - zum ersten Mal in London, im Hammersmith Apollo und das ist schon wirklich eine schöne Spielstätte. Im Vorprogramm war Mark Knopfler, der sich ähnlich wortkarg gab wie Bobby - kein Danke, nix. Auch gab es wenig ‘Dire Straits’-Klassiker, aber das war gar nicht so schlimm, denn musikalisch war es ein echter Genuss, die Herren um Herrn Knopfler auf der Bühne zu sehen.

Dann kam Bobby und Mr. D. sagte neben mir ‘Ist der krank?’. Mr. D. hat zum ersten Mal Dylan gesehen und nun ja, er klingt ja eher rostig, was man als Dylan-Fan einfach überhört, aber Mr. D. der schon als Kind von seinem Papa mit Dylan-Songs gequält wurde (seine Interpretation) fand es doch ziemlich gewöhnungsbedürftig.

Der Meister gab sich auch nicht wirklich Mühe, muss ich sagen. Wir hatten die Gurke erwischt. Bei Dylan ist es ja mal so - entweder ist es richtig toll oder gurkig. Manchmal findet man sich in der Mitte wieder. Aber hier wollte der Funke nicht so recht überspringen. Das Konzert am nächsten Tag soll der Hammer gewesen sein - es war der Abschluss der Knopfler/Dylan-Tour und es gab Zugaben und Umarmungen. Bei uns nix. Eine ziemlich gute Fassung von ‘Like A Rolling Stone’, aber davon kann man auch nicht leben.

Ich bin also ein bissken enttäuscht, dass Bobby nicht so glänzte, wie ich es mir wünschte - werde ihn ja auch nicht mehr so wahnsinnig oft sehen - die Ticketpreise in London bringen das Blut schon in Wallung - und wie gesagt 14 Mal… Ich hätte es halt schön gefunden, wenn er Mr. D. bewiesen hätte, was für ein toller Hecht er auf der Bühne sein kann. Aber zumindest konnten wir uns an Herrn Knopfler erfreuen - wer hätte das gedacht.

23. November 2011 ››› Abgelegt unter Brit-Stuff

Benton im Park

In Großbritannien amüsiert man sich gerade über einen unglückseligen Hundebesitzer, der seinem Hund im Londoner Richmond Park vergeblich hinterherjagt. Als Hundebesitzerin bleibt mir da ja ein bisschen das Lachen im Halse stecken, denn das könnte uns mit Ursus auch passieren. Na ja, nicht ganz. Glaube kaum, dass die Herde durch einen Zwergdackel aufgescheucht werden würde. Schaut es euch an, damit euch “Benton, BENTON, Jesus Christ” auch ein Begriff ist:

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15. November 2011 ››› Abgelegt unter Brit-Stuff

Alles in einem Abwasch - ‘Downton Abbey’, ‘Life’s Too Short’ und ‘The Rev’

Ach, November ist ein guter Fernsehmonat - die Fernsehbosse wissen, dass man in diesen dunklen Wintertagen die Zeit gerne vor der Glotze verbringen möchte. Deshalb gibt es jetzt auch die neue Comedy-Serie ‘Life’s too short’ von Ricky Gervais, die ganz okay ist - nicht so ein Knaller wie ‘The Office’ und ‘Extras’, die man sich aber noch anschauen kann. Gervais hat so viel Werbung dafür gemacht, dass man schon gar keine Lust mehr hatte, sie sich anzuschauen.

Prompt wurde sie natürlich von der britischen Presse auch zerrissen - hat sie, wie gesagt, nicht verdient. ‘Life’s too short‘ ist eine Dokumentation über Warwick Davis, einem kleinwüchsigen Schauspieler, der die Hauptrolle in ‘Willow’ gespielt hat. Er spielt eine Art schlimme Version von sich - arrogant und schleimig. Wie bei ‘Extras’ geben sich die Promis die Klinke in die Hand - in der ersten Folge will Liam Neeson plötzlich Stand-up Comedian werden - und das ist schon lustig. Nach ‘Extras’ ist es halt nicht mehr so wahnsinnig originell.

Originell kann man ‘The Rev’ nicht nennen - es ist eine Comedy-Serie um einen Vikar im abgerockten Londoner Osten und sie wird immer besser. Tom Hollander spielt ihn mit unschuldigem, gleichzeitig stoischem Charme. Anders würde er es in dieser Gegend auch nicht aushalten. In der ersten Folge der zweiten Staffel wird er versehentlich zum Helden gemacht und soll tatsächlich einen Orden bekommen. Da muss erst der Bischof von London kommen und ihn auf den richtigen Weg bringen. Und dieser Bischof wird doch tatsächlich von Ralph Fiennes gespielt. Mit einer Freundlichkeit und Bestimmtheit, dass man ihm alles erzählen würde. Es ist so schön, Mr. Fiennes mal in einer richtig netten Rolle zu sehen. Es war zwar nur ein Zwei-Minutenauftritt, aber der hat sich gelohnt.

Genauso wie der von Hugh Bonneville, der hier mal wieder den sehr selbstbewussten und jovialen Vikar-Kollegen verkörpert.

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Das hat ihm bestimmt mehr Spaß gemacht, als die Geschichte, die man ihm in ‘Downton Abbey‘ gegeben hat. Wir haben die zweite Staffel von ‘Downton Abbey’ immer noch gern gesehen, aber oh Mann, das ist schon arg in einen Lore-Roman abgedrifet. Bonnevilles Lord Granthams hätte doch beinahe eine Affäre mit einem Hausmädchen angefangen. Herr Fellowes, dass können Sie besser! Jetzt kann man nur hoffen, dass das Weihnachtsspecial nicht so süßlich wird.

24. Oktober 2011 ››› Abgelegt unter Brit-Stuff

Zehn.de - die Seite mit den Listen

Zehn.de, die Website mit den nettesten Listen, bei dem man Wissen von allem und jedem erwerben kann, lohnt den Besuch. Jetzt könnte man sagen, ach Anja, du machst doch nur Werbung für die Seite, weil du da selber publizierst. Und zwar so Sachen wie “Die besten geheimen Ecken von London” oder die “Die bemerkenswertesten britischen Exzentriker”. Oder “Die 10 besten Gründe für einen Dackel“.

24. Oktober 2011 ››› Abgelegt unter Brit-Stuff

Doch kein Rassist

img_7862Mit großer Freude kann ich mitteilen, dass unser Hund doch kein Rassist ist - er bellt jetzt auch Menschen auf Skateboards und Italiener mit übergroßen Sonnenbrillen an. Ich bin ja so erleichtert. Nicht wirklich. Ich hätte nämlich gerne einen freundlichen Hund, der andere nicht ankläfft. Macht Ursus ja auch ganz selten, deshalb ist es auch immer ein Schock, wenn er denn mal seine Stimme gebraucht. Momentan gebraucht er sie zum Würgen. Der Arme hat sich den Zwingerhusten geholt. Zum Glück nur eine milde Form davon. Wir haben ihn dagegen geimpft. Aber da er ja ständig mit Hunden in Berührung kommt, war es nur eine Frage der Zeit, wann es passieren würde.

Es macht schon ein bisschen Angst, seinen Hund so würgen zu sehen. Aber die Tierärztin hat uns beruhigt und Antibiotika gegeben. Nun heißt es für den kleinen Kerl, daheim zu bleiben, denn ich will ja keine verantwortungslose Besitzerin sein, die einen hochansteckenden Hund durch die Gegend spazieren führt. Jetzt geht es nur eine Runde um den Block und falls doch mal ein Hund uns entgegen kommt, rufe ich “Zwingerhusten” - das wirkt.

24. Oktober 2011 ››› Abgelegt unter Brit-Stuff

Vergesst Highgate, kommt nach Nunhead

Nun, wo Mister D. und icke überzeugte Südlondoner geworden sind, muss ich natürlich auch über die Sehenswürdigkeiten dieser Region schwadronieren. Es gibt hier Nunhead, einen viktorianischen Friedhof, der ganz entzückend ist. Der Friedhof in Highgate, wo Marx und Douglas Adams liegen, ist natürlich auch wunderschön und jeder Londonbesucher sollte sich den auch anschauen, aber ich würde gerne den Blick nach Süden verlegen und den Friedhof in Nunhead ehren. Dieser ist nämlich wunderschön und eine echte Entdeckung. Fast wie ein Wald, man läuft auf schmalen Wegen und an vielen alten Gräbern vorbei, die fast im Dickicht untergehen.

In den 60er und 70er Jahren wurde Nunhead geschlossen und das hat dem Friedhof nicht gut getan. Grabräuber kamen und steckten die schöne Kapelle an. Zum Glück haben sich Freiwillige gefunden und den Friedhof halb wieder hergerichtet. Nicht so ordentlich wie Highgate, aber es finden sich noch allerlei schöne Motive.nunheadfriedhofjpgUnd wenn man dann verzaubert durch die verschlungenen Wege gelaufen ist und sich einmal umdreht, sieht man plötzlich St. Paul’s Cathedral. Wie gesagt, ein fast magischer Ort: nunstpaul