Wir schreiben das Jahr 1961 – London ist kurz davor, das „Swinging London“ zu werden, aber davon ahnt die junge Jenny nichts. Sie will nach Oxford, um dort Englisch zu studieren. Ihr Vater (großartig: Alfred Molina) schrecken zwar die Kosten, aber auch er möchte, dass aus seiner Tochter was wird. Aber was genau soll aus ihr werden?
Diese Frage stellt sich nämlich als Jenny der ältere und überaus charmante David (Peter Sarsgaard) über den Weg läuft. Er entführt sie in die Welt der Champagner-Cocktails, falschen Wimpern und Jazz-Clubs. Das ist natürlich viel aufregender als Latein-Vokabeln zu pauken. Besonders wenn man gerade erst 17 geworden ist und das Leben sich gerne mal in schwarz und weiß malt. Und die Eltern machen ja auch noch mit. Sind begeistert von diesem charmanten Herren, der sie glauben lässt, dass er ihre Tochter in höchste akademische Kreise einführen kann, lassen sie sogar mit ihm nach Paris fahren. Das ist natürlich alles zu gut, um wahr zu sein.
Und das ist natürlich auch alles schon erzählt worden. Die Verführung der Unschuld. Aber es ist sehr charmant erzählt, mit viel britischem Humor und Understatement sowie einer hinreißenden Hauptdarstellerin. Carey Mulligan ist 24 und sie schafft sich sehr überzeugend in die Psyche eines Teenagers hinein. Wie sie versucht, erwachsen zu wirken und gleichzeitig ihre Begeisterung über die Glamourwelt kaum verbergen kann. Ganz entzückend. Außerdem hätte sich wohl jedes Mädchen in diesen weltgewandten Peter Sarsgaard verliebt. An seiner Seite schillern Rosamund Pike und Dominic Cooper als hedonistisches Paar. Pike spielt den Prototyp der dummen Blondine – „Keine Sorge, Jenny, wenn es mit deinem Latein nicht klappt. Ich hab gehört, dass Latein in fünfzig Jahren nicht mehr gesprochen wird, noch nicht einmal von Latinos.“
„An Education“ kommt auch in die deutschen Kinos – hurra! Allerdings erst am 18. Februar. Ich werde daran erinnern.